Freitag, Oktober 07, 2005

Reise nach Düsseldorf

Mittwoch, 5. Oktober 2005, 8:00: meine Mutter und ich verlassen das Haus und steigen ins Auto.

8:01: das Auto muß auf halbem Weg aus der Ausfahrt abrupt stehenbleiben, weil ich die Benachrichtigungskarte der Post (diesen in undefinierbarem Blaugrün gehaltenen Wisch) vergessen habe.

Wenige Minuten später hat mich meine Mutter am Bahnhof abgesetzt, wo ich (am Schalter!) das NRW-Single-Ticket plus eine einfache Karte von Oeynhausen nach Bielefeld erwerbe – ich habe es längst aufgegeben, Sinn und Unsinn der Bahntarife verstehen zu wollen, jedenfalls gilt das blöde NRW-Single-Ticket erst ab neun Uhr, der Zug fuhr aber schon zwanzig Minuten eher ab. Auf den nächsten hätte ich dann eine Stunde warten können.

Anschließend bin ich zur Post gegangen, wo ich eine gute Viertelstunde mit zunehmender Ungeduld darauf gewartet habe, daß da endlich geöffnet wird. Als sich die Tür endlich öffnete (das muß man gesehen haben: erst ging innen der Vorhang im Schneckentempo beiseite, danach öffnete sich die Schiebetür, ebenfalls im Schneckentempo). Als sie dann endlich offen war, bin ich sofort zum Schalter gestürmt, wo mich eine Postangestellte mit den Worten: „Ich muß das hier eben erst noch zuende tippen“ begrüßte. Woraufhin ich ihr höflich mitteilte, ich wolle ja nicht unhöflich sein, aber ich bräuchte das Einschreiben dringend, weil ich den Zug um 8:40 erreichen müßte. Seufzend schob die Postangestellte ihren Zettel beiseite, nahm das häßliche Benachrichtigungsschreiben in die hand und bewegte sich langsam zu dem Schrank mit den zur Abholung bereitliegenden Einschreiben, studierte langsam die Umschläge, bis sie den richtigen gefunden hatte, kam ebenso langsam wieder zum Schalter zurück und machte sich – natürlich langsam – daran, die Daten in den Computer einzugehen, mit dem Lesegerät über den Strichcode auf dem Umschlag zu gehen und mir dann einen Zettel zur Unterschrift hinzuschieben.

Kaum hatte sie mir den Umschlag ausgehändigt, es war 8:35, stürzte ich Richtung Tür, riß im Laufen den Umschlag auf, vergewisserte mich, daß das CoE auch drin war, und rannte zum Bahnhof. Zum Glück ist der nicht weit vom Bahnhof entfernt. Den Zug habe ich auch noch gekriegt.

Im Zug las ich dann das Begleitschreiben von Nova, wobei mich fast der Schlag traf. Da stand, zum Visumantrag bräuchte man außer dem CoE, dessen Kopie (die auch mit im Umschlag steckte), einem Paßfoto und dem Paß auch noch einen Lebenslauf! Davon hatte mir die Konsulatsmitarbeiterin bei meinem Anruf vor zwei Wochen aber nichts gesagt, und folglich hatte ich auch keinen dabei!

Der Zug erreichte Düsseldorf kurz nach elf Uhr, und ich ging sofort zum Konsulat, um noch vor dessen Mittagspause (ab 11:30) dort zu sein. War auch nicht weit, nur fünf Minuten Fußweg. Unterwegs kam ich auch an einem japanischen Buchlanden und einem Internetcafé vorbei, und wenn die im Konsulat tatsächlich noch meinen Lebenslauf verlangt hätten, wäre ich als erstes dorthin gegangen und hätte dort am Computer schnell einen geschrieben. War aber nicht nötig, einen Lebenslauf brauchten die gar nicht. Ich mußte nur noch einen Zettel ausfüllen, auf dem ich begründete, weshalb ich den Paß mit Visum mit der Post zugeschickt bekommen möchte, und erklärte, daß mir bewußt sei, daß das Konsulat nichts dafür kann, falls der Paß auf dem Postweg verloren geht. Ansonsten könnte er Montag schon ankommen.

Ich bin dann erst einmal zum Bahnhof zurück, um dort was zu essen, und habe mir unterwegs den japanischen Buchladen angeschaut. Also, in Japan wird mein Budget sicher nicht durch exzessiven Bücherkauf wie in Moskau, Polen oder Deutschland strapaziert – ich konnte nichts lesen! Gekauft habe ich allerdings ein kleines Japanisch-Wörterbuch von Langenscheidt und ein paar japanische Eßstäbchen (hashi). Abends habe ich dann ein paar Trockenübungen gemacht, um rauszukriegen, wie man die hält und so. Meine Eltern rieten mir, ich solle Gero mal danach fragen. Wieso weiß ausgerechnet Gero, wie man mit Eßstäbchen hantiert?! Andererseits verfügt der Knabe bei allem, was auch nur im entferntesten mit Essen zu tun hat, über ganz erstaunliche Kenntnisse...

Erst mal habe ich mir aber Düsseldorf angesehen – ich bin einfach gerade aus losmarschiert, bin bei Kaufhof rein und habe mir noch zwei Blusen gekauft (in dem ersten Infoheft, was Nova mir zusammen mit dem Jobangebot zugeschickt hat, steht auch der Dresscode drin, also für Frauen

a dress or a neatly pressed blouse and skirt or trousers. Plain stockings or socks must be worn at all times. Open-toed shoes or any kind of sandals, low cut and/or sleeveless blouses, and T-shirts may not be worn. Grooming must be neat; excessive makeup or jewelry, including piercings other than a set of earrings, is not acceptable. Dyed hair of an unnatural colour is not acceptable, nor are visible tattoos, body piercings or other adornments.

Auf den Fotos nebenan sieht das zwar schon wieder etwas anders aus – da winkt eine junge Frau im Multimediazentrum ihren drei Schülern auf dem Bildschirm zu, die ein helles Oberteil mit Dreiviertelarm und ohne Kragen trägt, auch kein Jackett o.ä. drüber, auf den beiden Bildern links und rechts sind zwei Nova-Mitarbeiterinnen mit ihren Schülern abgebildet, die zwar ein schickes Kostüm bzw. Hosenanzug tragen, aber auch keine Bluse, sondern ein schlichtes Oberteil oder T-Shirt dazu anhaben, jedenfalls auch ohne Kragen. So schlimm scheint das also nicht gehandhabt zu werden, auch wenn mir der Typ beim Interview sagte (da hatte ich der unerträglichen Hitze in London wegen zu meinem Hosenanzug ein ärmelloses T-Shirt an), falls ich die Stelle bekäme, müßte ich T-Shirts mit Ärmel und Kragen anziehen.

Nun sieht das mit den Blusen, die ich hier in den Läden so zu Gesicht bekomme, aber folgendermaßen aus: entweder sind das Blusen, mit denen man eher auf eine Party anstatt ins Büro geht, oder ich bin noch nicht alt genug dafür. Na ja, einige selten getragene Blusen besitze ich ja schon, und jetzt sind ja noch mal zwei dazu gekommen.

Außerdem bin ich durch die Düsseldorfer Altstadt geschlendert, habe mir bei angenehm warmen Temperaturen am Rheinufer die Sonne ein wenig auf den Pelz scheinen lassen, war kurz in der Lamberti-Kirche (um rauszukriegen, warum der Turm so merkwürdig schief und verdreht ist – auch damals gab es schon Pfusch am Bau, die Baumeister haben zu frisches Holz verwendet), bin einmal die berühmte Kö rauf und runter geschlendert. Ein Collier war da ausgestellt, das knapp 40.000 Euro kosten sollte! Cartier hat die Preisschilder gleich ganz weggelassen. Wahrscheinlich ist das bei dem seinen Schmuckkreationen so wie bei dem Hofschneider von Elisabeth in London: wer fragt, wieviel es kostet, kann sich das Zeug eh nicht leisten. Bei den Klunkern von Cartier hätte mich der Preis aber schon interessiert, weil ich doch gerne gewußt hätte, wieviel man für derartig häßliche Klunker (viel zu protzig und klobig für meinen Geschmack) hinblättern muß.

Danach bin ich wieder zum Bahnhof zurückgeschlendert (Gratuliert mir!! Ich habe gestern nur ein einziges Mal auf einen Stadtplan schauen müssen, und das war, als ich rausfinden wollte, wo die Düsseldorfer nun eigentlich ihre Altstadt haben! Zurück zum Bahnhof habe ich ganz allein und ohne zu fragen gefunden!! Dafür wurde ich nach dem Weg zum Bahnhof gefragt!!). Abends hatte ich dann rasende Kopfschmerzen (morgens viel zu früh aufgestanden, und mittags wird es wohl doch etwas zuviel Sonne am Rhein gewesen sein).

Und heute habe ich tierischen Muskelkater in den Beinen vom vielen Rumgerenne gestern.

1 Kommentar:

Anke hat gesagt…

Ja, JA wenn man Düsseldorf in einem Tag erkunden muss ist ein Muskelkater nur die kleinste Strafe.
HAst du denn wenigstens auch einen Blick auf den LAndtag geworfen?
Ich habe mir zwei TAge, sorry andertalb Tage zeit genommen um mir Düsseldorf anzuschauen. Letztes Jahr im Oktober mit Besuch einer urigen Kneipe und dem Wirtschaftsministerium und im Januar zu einem BEsuch im LAndtag.
Aber tröste dich der Muskelkater vergeht hauptsache ist das due alles erledigen konntest.
Anke