Freitag, September 29, 2006

Bei Kaisers zu Besuch

Nachdem Ellie und ich es in der letzten Woche aufgrund des Feiertags nicht geschafft hatten, uns den Kaiserpalast anzusehen, habe ich es diese Woche erneut versucht. Erfolgreich.

Allerdings war es bis Sonntagabend unklar, ob ich am Montag nach Kyōto fahren könnte. Ich hatte nämlich Accomodation section gebeten, unsere Klospülung reparieren zu lassen, und da ich u.a. den Montag als möglichen Termin angeben hatte, mußte ich erst abwarten, ob die Handwerker kommen oder nicht. Bis Sonntagabend hatte ich aber nichts von Accomodation section gehört, und so stand meinem erneuten Ausflug nach Kyōto nichts mehr im Weg.


Den Weg kannte ich ja schon, und so war ich relativ schnell am Gebäude des Kaiserlichen Hofamtes in der Nordwestecke des Kaiserlichen Parks (wo sich u.a. eben der Kaiserpalast befindet) angelangt, einem häßlichen Bürogebäude, das die Erbauer gnädig hinter Bäumen versteckt haben. Hier muß sich jeder anmelden, der den Kaiserpalast oder einige der Villen in Kyōto besichtigen möchte. Bei den Villen muß sollte man das mindestens einen oder zwei Tage im Voraus erledigen, aber bei der Führung durch den Kaiserpalast reicht es, rechtzeitig (d.h. spätestens 20 Minuten vor dem Start) dort zu erscheinen. Inzwischen kann man sich auch online anmelden, und das werde ich demnächst mal versuchen, wenn ich mir dann eine der Villen ansehe.

Nach der Anmeldung hatte ich noch massenhaft Zeit, in der ich ein bißchen im Park spazierengegangen bin und in einem kleinen Restaurant ein schmackhaftes Mittagessen zu mir genommen habe. Ich habe keine Ahnung, was ich da gegessen habe, aber es war gut.

Das gute an der Führung: sie wird auf Englisch gehalten, und sie ist kostenlos. Ob das eine Entschädigung dafür ist, daß man vorher Papierkram erledigen muß, weiß ich nicht, aber schön ist es doch. Zwanzig bis zehn Minuten vor Beginn der Tour erfolgt der Einlaß in den Palast, wo alle Besucher in einem Warteraum auf den Fremdenführer warten müssen. Dieser entpuppte sich als junge Frau in Uniform. Ausgestattet war sie mit einer etwas antiqutiert anmutenden tragbaren Mikrofonanlage mit mäßiger Tonqualität. Von den einführenden Worten habe ich daher nur ca. 50 Prozent verstanden. Zuallererst gab es aber noch einen kleinen Film zu sehen, der uns über den Verlauf der Führung aufklärte.

Los gings. Die erste Attraktion war einer der beiden Gärten des Kaiserpalasts, genannt Oike-niwa.


Von Kyōto aus ist es ziemlich weit bis zum Meer, mit modernen Verkehrsmitteln dauert es zwei Stunden, da kann man sich ausmalen, was für eine lange und umständliche Reise das früher war. Mit anderen Worten: der Tennō hatte nicht so oft die Chance, das Meer zu sehen. Das war natürlich kein Zustand, deshalb wurde dieser Garten als Ersatz angelegt. Der Teich symbolisiert das Meer und die Kieselfläche links im Vordergrund den Strand. Da wäre ja keiner von uns auch nur ansatzweise drauf gekommen, deshalb hat die Fremdenführerin uns das extra noch einmal erklärt.


Hier sehen wir sie, wie sie uns mit anschaulichen Gesten den Aufbau eines traditionellen japanischen Daches erklärt. Zumindest eines Palastdaches, denn die Dinger sind sehr aufwendig. Sie bestehen aus vielen extrem dünnen Schichten aus getrockneter Zypressenrinde, die vom Baum geschält wurde, ohne diesen zu fällen. Der Vorteil des Materials: im Sommer bleibt es darunter einigermaßen kühl, im Winter dagegen hält es die Wärme im Raum. Der Nachteil: es hält nicht ewig, sondern muß alle 30 bis 40 Jahre ersetzt werden. Und eine Zypresse muß sich nach dem Schälen zehn Jahre erholen. Wie gesagt, ich glaube nicht, daß außer an den wichtigsten Palästen und vielleicht noch einigen wenigen Tempeln dieses Material verwendet wurde.


Das hier ist der Shishinden, das wichtigste Gebäude des Palastes. Hier wurden die Kaiser inthronisiert, wichtige Staatszeremonien abgehalten und ausländische Staatsgäste empfangen. Zweimal neun Stufen führen zum Thronsaal hinauf.

Das ist der Thron. Wirkt ja eher unspektakulär. Auch Akihito, der aktuelle Tennō, wurde darauf gekrönt, aber nicht in Kyōto. Für die Zeremonie wurde das kostbare Stück extra nach Tōkyō geflogen.


Vom Thron aus hat der Tenno einen direkten Blick auf diese sauber geharkte Kiesfläche und die zwei Tore im Hintergrund. Das hintere der beiden ist das Haupttor des Palastes, welches nur vom Tennō benutzt wird.


Weiter ging es zum Seiryo-den hinter dem Shishinden, der lange Jahre als Residenz des Kaisers benutzt wurde. Die Kaiserin und die Kinder hatten eine eigene Residenz im Nordteil des Palastgeländes. Erst Akihito hat mit dieser Tradition aufgeräumt.


Am besten gefallen hat mir dieser Garten, der Gonaitei, eine idyllische Gartenanlage, in der im Sommer des öfteren kleine Dichtkunstfeste veranstaltet wurden. Bei denen mußten wohl Gedichte geschrieben werden, während ein Boot den künstlichen Bach entlang fuhr. Genauer weiß ich das leider nicht, denn ich habe die Fremdenführerin oft nur ansatzweise verstehen können. Zusätzlich zur Technik kam nämlich noch eine etwas undeutliche Aussprache.


Zu den Highlights von Kyoto würde ich Ignorantin den Palast nicht zählen, aber dennoch war es mal ganz interessant, einen kurzen Blick hinein zu werfen.

Kommentare:

Luthien hat gesagt…

Tolle Fotos! Ich werde nächsten Sommer in Kyoto sein - da freu ich mich ja gleich noch mehr drauf :)

Ute hat gesagt…

Danke!

Kyoto ist auch toll, es gibt viele schöne Orte - aber den Kaiserpalast kannst Du ruhig auch auslassen.