Samstag, Juli 01, 2006

Okunoin

Neben den über hundert Tempeln gibt es in Kōya-san auch einen riesigen Friedhof, den Okunoin. Das Zentrum dieses Friedhofs ist das Mausoleum für Kōbō Daishi, den Gründer der in Kōya-san ansässigen Shingon-Sekte. Die Buddhisten glauben, er sei nicht gestorben, sondern in die ewige Meditation eingetreten und warte auf den zukünftigen Buddha, um dann den Gläubigen zur Erlösung zu verhelfen. Daher möchten viele Japaner in der Nähe seines Mausoleums begraben werden. Entsprechend groß ist die Anlage. Und alt, denn Kōbō Daishi ist schon 835 gestorben oder in die ewige Meditation eingetreten, je nach Auffassung.


Wir sind, nachdem wir uns die anderen Heiligtümer von Kōya-san angesehen hatten, von Westen kommend einen ca. zwei Kilometer langen Pfad entlang zum Mausoleum gewandert. Es ging an unzähligen seltsam anmutenden Grabstätten vorbei und unter jahrhundertealten, unglaublich hohen Zedern hindurch.


Teilweise brachen die Strahlen der Nachmittagssonne durch die hohen Bäume und strahlten die alten Grabstätten mit ihren Stupas an, diese wie überdimensionale Spielfiguren aussehenden Steingebilde. Die meisten davon sind relativ klein und haben eine vergleichbare Höhe wie Grabsteine in Deutschland, aber ziemlich viele sind einfach riesig.


Meistens war es aber eher dämmerig, was unserer Wanderung eine ganz eigentümliche Atmosphäre verlieh. Die steinernen Grabmale haben fast die gleiche Farbe wie die dicken Zedernstämme, und je weiter entfernt vom Pfad sie sich befinden, desto schwieriger wird die Unterscheidung. Alles wirkte etwas unwirklich - mit Ausnahme der Moskitos. Aber: mein wenige Tage vorher gekauftes Anti-Mückenspray erwies sich als höchst wirkungsvoll.

Schließlich näherten wir uns dem Bereich mit dem Mausoleum. Als erstes kamen wir zum Torodo, der Laternenhalle. In dieser Halle brennen - wie es der Name schon sagt - unzählige kleine Öllämpchen, den Spenden der Gläubigen sei Dank.


Auf diesem Bild ist sie ganz im Hintergrund zu sehen. Die Halle und ihre unmittelbare Umgebung sind heiliges Territorium, nach der Brücke durfte man nicht mehr fotografieren. Rauchen, Trinken und Essen waren ebenfalls verboten.


Unmittelbar vor der Brücke gab es aber noch was interessantes zu sehen: hier sind einige Statuen buddhistischer Gottheiten aufgereiht, welche die Gläubigen der Reihe nach mit Wasser begießen - als Teil eines Totengebets für kürzlich Verstorbene.

Das Mausoleum selbst fand ich nicht sooo spektakulär (war auch schon geschlossen), aber auf dem Rückweg haben wir einen etwas anderen Weg genommen und kamen noch an zwei Merkwürdigkeiten vorbei:


An einem - warum auch immer - aufgehängten Stein ...


... und einem extravaganten Grabmal.

Kommentare:

Patrick Hohmann hat gesagt…

Mhm, ist es jetzt sehr makaber, wenn ich schreibe, das mir von allen bisher geposteten Bildern die Friedhofsbilder am besten gefallen?! Die haben so was verwunschens oder verträumtes - so richtig schön, still, einsam und friedvollwie von einer anderen Welt. Die Bäume sind ja gigantisch, ohne die würde das ganze wahrscheinlich gar nicht so toll wirken!Ist es ein alter Friedhof oder gibt es auch öhm "frische" Gräber - ich glaube, daß würde nicht so ins Bild passen, oder?!

Ute hat gesagt…

Makaber ist es nicht - alte Friedhöfe wirken doch meistens irgendwie verwunschen. Mir hat es dort auch sehr gut gefallen.
Und um Deine Frage zu beantworten: sieh Dir das letzte Bild noch mal genauer an ...

Patrick Hohmann hat gesagt…

Ups, sieht ja aus wie ne Rakete - spooky LOL