Mittwoch, Mai 03, 2006

Reisebericht Teil 3: Iwakuni

Am vergangenen Mittwoch ging es dann nach Iwakuni, einer kleinen Stadt 40 km westlich von Hiroshima an der Küste gelegen. Dort gibt es eine amerikanische Militärbasis, eine wiederaufgebaute Burg, einen schönen Park und eine bemerkenswerte Brücke. Und bis auf die Militärbasis haben wir uns auch alles brav angesehen.

Mit dem Zug (JR Line) ging es von Hiroshima Station aus gemütlich - da wir einen Regionalzug erwischt hatten, der an jeder Milchkanne hielt - nach Iwakuni. Dort fanden wir nach einigem Suchen und Verlorenaussehen schließlich dank freundlicher Hilfestellung ortskundiger Japaner den Fahrkartenschalter für den Bus zur Brücke und dann auch den richtigen Bus. Dieser spuckte uns nach einer weiteren Viertelstunde direkt vor der Brücke aus.


Das ist sie. Kintai-kyō, erstmals erbaut 1673, von der Flut weggespült in der Regenzeit des Jahres 1674, wiederaufgebaut ohne Nägel, nur mit Klammern und Drähten (sagen mein Reiseführer und mein altes Englischwörterbuch), dann 1950 vom Taifun Kijiya weggeschwemmt, 1953 rekonstruiert. Die Brücke gehört zu den drei schönsten in Japan, und schön ist sie wirklich.

Auf der anderen Seite des Flußufers befindet sich der Kikko-kōen, ein Landschaftspark, der auf dem Anwesen der in Iwakuni herrschenden Kikkawa-Familie errichtet wurde.


Recht hübsch, mit Wasserspielen, vielen Blumen und Bäumen, Rasenflächen, kleinen Tempeln, Schreinen und Pavillons. Das Wetter war zwar nicht so schön, es war praktisch die ganze Zeit bedeckt und nur mittags brachen ein paar wärmende Sonnenstrahlen durch die Wolken, aber man kann nicht alles haben.


Besonders gefallen hat mir der kleine "Japanische Garten" mit seinen winzigen, künstlichen Wasserfällen. Und vereinzelt blühten sogar noch ein paar Kirschbäume.

Zum Mittagessen stärkten wir uns an einem Stand mit kleinen Leckereien, und dann ging es mit der Seilbahn den Berg hoch zur Burg von Iwakuni. Die haben wir uns allerdings nur von außen angesehen, denn dabei handelt es sich - wieder einmal - um eine Rekonstruktion, und die Waffensammlung hat uns auch nicht interessiert.


Von außen sieht die Burg ja wirklich nett aus, kann man nicht anders sagen. Nun ist das mit dieser Burg allerdings auch so eine Sache. Das Original hat ganze sieben Jahre existiert, dann mußte es 1615 auf Geheiß der Tokugawa-Regierung abgerissen werden, da in jeder Provinz nur eine einzige Burg stehen sollte. In Hagi gab es schon eine Burg, die älter und wohl auch wichtiger war, damit war das Schicksal von Iwakuni-jō besiegelt. Bis die Einwohner der Stadt beschlossen, daß die Brücke und der Park alleine als Touristenattraktion nicht ausreichend sind und 1960 die Rekonstruktion errichtet wurde. Nun ja. Macht sich jedenfalls auf dem Berg ganz gut.


Und die Aussicht von oben ist toll. Bei schönem Wetter kann man von dort bis zu den Inseln der Seto-Inlandsee sehen. Aber auch so war es ein imposanter Anblick: die Flußbiegungen bis zur Mündung, die Stadt, die Brücke und die Berge ringsum.


Am Nachmittag begann es dann zu regnen, so daß wir nur noch kurz durch den Park zurück zur Bushaltestelle gelaufen sind. Um die zweite Brückenmaut zu sparen, sind wir über die moderne Brücke in der Nähe der Kintai-kyō gegangen.


Mit dem angenehmen Nebeneffekt eines großartigen Ausblicks auf die berühmte Brücke und das merkwürdig grün-blaue Wasser.

Zurück in Hiroshima sind wir kurz ins Hotel gegangen und haben unsere Reiseführer nach Empfehlungen zum Okonomiyaki-Essen konsultiert. Die Entscheidung fiel auf Okonomi-mura, wo es mehrere Okonomiyaki-Restaurants nebeneinander gibt und wir einfach in das erstbeste reinmarschiert sind. Dort saßen wir zusammen mit den anderen Gästen um die riesige Herdplatte herum und sahen zu, wie ein Okonomiyaki nach dem anderen gebraten wurde. Und lecker war's!
Ich hatte ja schon erwähnt, daß das Okonomiyaki in Hiroshima anders zubereitet wird als in Osaka, und einige Leute (aus Hiroshima) hatten uns in den vergangengen Tagen schon beteuert, daß "ihr" Okonomiyaki viel, viel besser sei als das aus Osaka. Wir sind aber durch das Okonomiyaki aus Osaka schon so verdorben, daß wir die "heimische" Variante dennoch vorziehen. Was wir natürlich nie jemandem aus Hiroshima sagen würden.
Worin besteht nun der Unterschied? In Osaka werden alle Zutaten gründlich vermischt und dann auf der heißen Platte gebraten, bis alles gar ist und die leckere Soße darübergestrichen werden kann. In Hiroshima kommen die Zutaten nacheinander auf die Platte. Das Ei beispielsweise wird nicht mit dem kleingeschnibbelten Kohl verrührt, sondern gegen Ende als (sehr dünnes) Spiegelei gebraten und dann zum Abschluß auf das Okonomiyaki gelegt. Außerdem kommen noch Nudeln dazu. Sehr sättigend, natürlich.
Einen Vorteil gegenüber dem Okonomiyaki aus Osaka hat die Variante aus Hiroshima aber doch: es passiert eigentlich dauerd irgendwas. Da wird gewendet, plattgedrückt, Nudeln auf die Herdplatte gekippt und angebraten, schließlich auf den Okonomiyaki befördert, Eier auf der Platte aufgeschlagen und rundgestrichen - man ist so mit dem Zuschauen beschäftigt, daß man das Knurren des Magens schnell vergessen hat.

Ein kleines Erfolgserlebnis hatte ich auch. Neben mir saß ein älteres Ehepaar, und als ich gerade dabei war, die letzten Nudelreste auf meinem Teller zusammenzusuchen, sprach mich die Frau an und machte mir ein Kompliment für den Umgang mit den Stäbchen. Hat sich das sechsmonatige Training doch bezahlt gemacht.
*stolzgeschwellte Brust*

Fazit des Tages: ein netter Ausflug, viel neues gesehen - aber gegen Miyajima hat Iwakuni schlicht keine Chance.

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