Heute habe ich gleich zwei Briefe aus Weißrußland bekommen. Einen von Tanja und Nastja aus dem kleinen Dorf Mlynok im äußersten Südosten, und einen von Tanja aus Družnaja im Norden der letzten Diktatur Europas.
Bei genauerem Hinsehen (in einem Fall war der Poststempel nur mit großer Mühe zu entziffern) stellte sich heraus, daß die beiden Briefe zufällig auch am selben Tag abgeschickt worden sind: am 20.12.05.
Das dürfte neuer Weltrekord sein.
Sonntag, Februar 26, 2006
Dienstag, Februar 21, 2006
Das is' aber nett!
Auf dem Weg von der Burg zur U-Bahn verspürte ich ein leichtes Hungergefühl und beschloß deshalb, mir eine Minipackung Kekse am Zeitungsstand in der Station zu gönnen. Die Verkäuferin nannte den Preis (105 Yen) und zückte eilfertig ihren Taschenrechner, um mir den Betrag zu zeigen. Ich hatte aber das Wesentliche verstanden und wiederholte "hyaku go en?", nur um sicherzugehen (und meine atemberaubenden Sprachkenntnisse zu demonstrieren, ich geb's ja zu!).
"Ah, wakarimashita?"
"Hai, chotto wakarimasu."*
Daraufhin lächelte die gute Frau noch breiter, zauberte eine Art Maoam mit Erdbeergeschmack unter dem Tresen hervor und legte es auf die Kekspackung. "Servisu!"
Das fand ich soooo nett!
*Hier die Übersetzung:
"Ah, Sie haben das verstanden?"
"Ja, ich verstehe ein bißchen."
"Ah, wakarimashita?"
"Hai, chotto wakarimasu."*
Daraufhin lächelte die gute Frau noch breiter, zauberte eine Art Maoam mit Erdbeergeschmack unter dem Tresen hervor und legte es auf die Kekspackung. "Servisu!"
Das fand ich soooo nett!
*Hier die Übersetzung:
"Ah, Sie haben das verstanden?"
"Ja, ich verstehe ein bißchen."
Ume
Letzten Montag hatte ich noch vor der Abfahrt nach Himeji am Bahnhof den "Osaka Event and Tourist Guide" für Februar und März in die Finger bekommen, und darin zu meinem Erstaunen gelesen, daß die Pflaumenblüte hier schon im Januar einsetzt. Damit stand das Ausflugsziel für diese Woche fest: Ōsaka-jō (= Ōsaka Castle), bzw. der zu den Parkanlagen gehörende Pflaumengarten mit seinen gut 1.250 Pflaumenbäumen von 93 verschiedenen Arten, um festzustellen, ob mein Befund vom letzten Wochenende stimmt und der Frühling auch wirklich schon kommt.
Nachdem für Montag Regen angekündigt war, habe ich den gestrigen Tag ruhigen Gewissens zum Ausschlafen und Saubermachen genutzt. Letzteres mit bedeutend geringerem Vergnügen, aber wem sage ich das. Geregnet hat es auch wirklich in Strömen (in den letzten Wochen regnet es zuverlässig immer genau an dem Tag, an dem ich meine Wäsche mache), aber heute sollte es ja besser werden. Wurde es auch. Allerdings erst später. Noch so ein Zufall, immer dann, wenn ich (mit einsatzbereiter Kamera) zum Ōsaka-jō oder in seine Nähe komme, ist der Himmel bedeckt.
Als ich nach dem Japanischunterricht gegen halb eins am Garten ankam, war der Himmel durchgehend grau. Später dann, als ich alles gesehen und das meiste fotografiert hatte, wurde der Himmel langsam blau. Typisch.
Aber jetzt habe ich genug über das Wetter gejammert. Der erste Blick auf den Pflaumengarten sah so aus:

Wohl wirklich noch etwas zu früh. Aber - ich ließ meinen Blick ein wenig nach links schweifen - und da leuchtete tatsächlich schon was.

Die meisten Pflaumenbäume sind zwar gerade erst dabei, gaaanz langsam ihre Knospen zu öffnen, aber ein paar Bäumchen stehen tatsächlich schon in voller Blüte und duften herrlich. Einige blühen weiß, sehr viele pink, und ein paar haben auch gelbe Blüten. Bei denen war ich mir aber nicht so ganz sicher, ob das auch wirklich Pflaumenbäume sind, aber wenn sie schon im Pflaumengarten stehen...
Da die anwesenden Japaner sich auch wenig um die kleinen Zäunchen gekümmert haben und dicht an die Bäume zum Fotografieren herangegangen sind, habe ich es ihnen gleich getan und mal die Digitalmakrofunktion meiner Kamera ausprobiert.

Erfolgreich, wie ich hier voller Stolz feststellen kann.
Im Vergleich mit Himeji-jō muß Ōsaka-jō zwar zurückstehen, aber ein nettes Motiv gibt der Turm immer noch ab, auch bei grauem Himmel. Man braucht nur einen passenden Rahmen.

Die ersten Bienen waren auch schon eifrig am Honigsammeln, wollten dabei aber nur ungern fotografiert werden. Vielleicht fürchten Sie ja eine Art Industriespionage... ;-)

An einer Stelle stehen sogar schon alle Bäumchen am Wegesrand in voller Blüte. Ja, der Frühling kommt wirklich!

Nächste Woche gehe ich noch mal hin. Es soll ja erst mal so warm bleiben, und dann werden sicher noch mehr Bäume blühen. Darauf freue ich mich jetzt schon.
Aber morgen heißt es erst mal wieder: eine neue Arbeitswoche beginnt. *seufz*
Nachdem für Montag Regen angekündigt war, habe ich den gestrigen Tag ruhigen Gewissens zum Ausschlafen und Saubermachen genutzt. Letzteres mit bedeutend geringerem Vergnügen, aber wem sage ich das. Geregnet hat es auch wirklich in Strömen (in den letzten Wochen regnet es zuverlässig immer genau an dem Tag, an dem ich meine Wäsche mache), aber heute sollte es ja besser werden. Wurde es auch. Allerdings erst später. Noch so ein Zufall, immer dann, wenn ich (mit einsatzbereiter Kamera) zum Ōsaka-jō oder in seine Nähe komme, ist der Himmel bedeckt.
Als ich nach dem Japanischunterricht gegen halb eins am Garten ankam, war der Himmel durchgehend grau. Später dann, als ich alles gesehen und das meiste fotografiert hatte, wurde der Himmel langsam blau. Typisch.
Aber jetzt habe ich genug über das Wetter gejammert. Der erste Blick auf den Pflaumengarten sah so aus:

Wohl wirklich noch etwas zu früh. Aber - ich ließ meinen Blick ein wenig nach links schweifen - und da leuchtete tatsächlich schon was.

Die meisten Pflaumenbäume sind zwar gerade erst dabei, gaaanz langsam ihre Knospen zu öffnen, aber ein paar Bäumchen stehen tatsächlich schon in voller Blüte und duften herrlich. Einige blühen weiß, sehr viele pink, und ein paar haben auch gelbe Blüten. Bei denen war ich mir aber nicht so ganz sicher, ob das auch wirklich Pflaumenbäume sind, aber wenn sie schon im Pflaumengarten stehen...
Da die anwesenden Japaner sich auch wenig um die kleinen Zäunchen gekümmert haben und dicht an die Bäume zum Fotografieren herangegangen sind, habe ich es ihnen gleich getan und mal die Digitalmakrofunktion meiner Kamera ausprobiert.

Erfolgreich, wie ich hier voller Stolz feststellen kann.
Im Vergleich mit Himeji-jō muß Ōsaka-jō zwar zurückstehen, aber ein nettes Motiv gibt der Turm immer noch ab, auch bei grauem Himmel. Man braucht nur einen passenden Rahmen.

Die ersten Bienen waren auch schon eifrig am Honigsammeln, wollten dabei aber nur ungern fotografiert werden. Vielleicht fürchten Sie ja eine Art Industriespionage... ;-)

An einer Stelle stehen sogar schon alle Bäumchen am Wegesrand in voller Blüte. Ja, der Frühling kommt wirklich!

Nächste Woche gehe ich noch mal hin. Es soll ja erst mal so warm bleiben, und dann werden sicher noch mehr Bäume blühen. Darauf freue ich mich jetzt schon.
Aber morgen heißt es erst mal wieder: eine neue Arbeitswoche beginnt. *seufz*
Montag, Februar 20, 2006
Lost and Found
Donnerstag mittag auf dem Weg zur Arbeit: vor Verlassen der Wohnung noch ein kurzer Griff in die Jackentasche - f***, wo ist meine Monatskarte?!
Handtasche durchwühlt: Fehlanzeige.
Schuhe aus, schnell zurück ins Zimmer und den Papierstapel überprüft, den ich kurz zuvor aus der Handtasche entfernt hatte, ob sie zufällig dahineingeraten ist (obwohl ich sie doch immer in der Jackentasche aufbewahre): Fehlanzeige.
Handtasche erneut durchwühlt: Fehlanzeige.
Zum x-ten Mal in der leeren Jackentasche gesucht: unverändert Fehlanzeige.
Es half alles nichts: ich mußte sie am Mittwoch abend irgendwo zwischen U-Bahn-Station, Videoshop und Wohnung verloren haben. Mich um Ersatz kümmern oder versuchen, an der Station nachzufragen, ob sie vielleicht zufällig gefunden wurde, konnte ich an dem Tag nicht mehr, die Arbeit wartete. Das mußte bis Freitag warten, wenn ich erst um 18:40 anfange und vorher jede Menge Zeit habe.
Der Freitag kam, und als ich am Nachmittag vom Einkaufen zurückkam, war die Post schon durch (in Deutschland kommt die Post vormittags, hier kommt sie nachmittags): drei Ausgaben meiner Zeitung und eine wild mit japanischen Schriftzeichen bedruckte Postkarte, auf der ich nur meinen Namen (in lateinischen Buchstaben geschrieben, dafür fehlte der letzte Buchstabe des Nachnamens) und das Datum 15.2.2006 (=Mittwoch) lesen konnte. Ach ja, und der Absender war irgendwas mit "Osaka-Shi", die Zeichen kenne ich inzwischen.
Was konnte das sein? Ich vermutete einen Zusammenhang mit der verlorenen Fahrkarte, beschloß, die Nachforschungen einen weiteren Tag aufzuschieben und erst mal bei LS nachzufragen, was es mit dieser Postkarte auf sich hatte.
Es war, wie ich vermutet hatte: jemand hatte meine Monatskarte gefunden und dem Stationsaufseher gegeben, der sie an das Fundbüro der U-Bahn weitergeleitet hatte, die sich praktischerweise irgendwo im Gewirr der Namba-Station befand. Und da man bei Erwerb der Monatskarte immer auch Namen und Adresse angeben muß, die dann bei der Erneuerung der Karte überprüft werden, war es den Leuten ein leichtes gewesen, mich zu benachrichtigen.
Eine freundliche Mitarbeiterin von LS hat mir die Wegbeschreibung auf der Postkarte übersetzt, und am Samstag mittag bin ich dann vor der Arbeit schnell da vorbeigegangen und habe meine Monatskarte in Empfang genommen.
Das ist das schöne in Japan: in diesem Land kann man seine Geldbörse samt Monatskarte, Alien Registration Card und weiteren wichtigen Dingen in der U-Bahn liegenlassen (Barbara), und man bekommt alles wieder. Man kann die Einkäufe aus dem einen Geschäft eine halbe Stunde lang im Fahrradkorb liegen lassen, während man noch schnell in den Supermarkt geht, und wenn man dann wiederkommt, ist alles noch da (sofern das Fahrrad angeschlossen war), man kann mitten im Gedränge der U-Bahn minutenlang sein Portemonnaie in der Handtasche verstauen, und es wird nix geklaut. Und man kann seine Monatskarte verlieren, und ein ehrlicher Finder wird sie sofort dem Stationsaufseher übergeben. Und Paul scheint seine Kamera, die er im Shinkansen vergessen hatte, auch wiederbekommen zu haben.
Handtasche durchwühlt: Fehlanzeige.
Schuhe aus, schnell zurück ins Zimmer und den Papierstapel überprüft, den ich kurz zuvor aus der Handtasche entfernt hatte, ob sie zufällig dahineingeraten ist (obwohl ich sie doch immer in der Jackentasche aufbewahre): Fehlanzeige.
Handtasche erneut durchwühlt: Fehlanzeige.
Zum x-ten Mal in der leeren Jackentasche gesucht: unverändert Fehlanzeige.
Es half alles nichts: ich mußte sie am Mittwoch abend irgendwo zwischen U-Bahn-Station, Videoshop und Wohnung verloren haben. Mich um Ersatz kümmern oder versuchen, an der Station nachzufragen, ob sie vielleicht zufällig gefunden wurde, konnte ich an dem Tag nicht mehr, die Arbeit wartete. Das mußte bis Freitag warten, wenn ich erst um 18:40 anfange und vorher jede Menge Zeit habe.
Der Freitag kam, und als ich am Nachmittag vom Einkaufen zurückkam, war die Post schon durch (in Deutschland kommt die Post vormittags, hier kommt sie nachmittags): drei Ausgaben meiner Zeitung und eine wild mit japanischen Schriftzeichen bedruckte Postkarte, auf der ich nur meinen Namen (in lateinischen Buchstaben geschrieben, dafür fehlte der letzte Buchstabe des Nachnamens) und das Datum 15.2.2006 (=Mittwoch) lesen konnte. Ach ja, und der Absender war irgendwas mit "Osaka-Shi", die Zeichen kenne ich inzwischen.
Was konnte das sein? Ich vermutete einen Zusammenhang mit der verlorenen Fahrkarte, beschloß, die Nachforschungen einen weiteren Tag aufzuschieben und erst mal bei LS nachzufragen, was es mit dieser Postkarte auf sich hatte.
Es war, wie ich vermutet hatte: jemand hatte meine Monatskarte gefunden und dem Stationsaufseher gegeben, der sie an das Fundbüro der U-Bahn weitergeleitet hatte, die sich praktischerweise irgendwo im Gewirr der Namba-Station befand. Und da man bei Erwerb der Monatskarte immer auch Namen und Adresse angeben muß, die dann bei der Erneuerung der Karte überprüft werden, war es den Leuten ein leichtes gewesen, mich zu benachrichtigen.
Eine freundliche Mitarbeiterin von LS hat mir die Wegbeschreibung auf der Postkarte übersetzt, und am Samstag mittag bin ich dann vor der Arbeit schnell da vorbeigegangen und habe meine Monatskarte in Empfang genommen.
Das ist das schöne in Japan: in diesem Land kann man seine Geldbörse samt Monatskarte, Alien Registration Card und weiteren wichtigen Dingen in der U-Bahn liegenlassen (Barbara), und man bekommt alles wieder. Man kann die Einkäufe aus dem einen Geschäft eine halbe Stunde lang im Fahrradkorb liegen lassen, während man noch schnell in den Supermarkt geht, und wenn man dann wiederkommt, ist alles noch da (sofern das Fahrrad angeschlossen war), man kann mitten im Gedränge der U-Bahn minutenlang sein Portemonnaie in der Handtasche verstauen, und es wird nix geklaut. Und man kann seine Monatskarte verlieren, und ein ehrlicher Finder wird sie sofort dem Stationsaufseher übergeben. Und Paul scheint seine Kamera, die er im Shinkansen vergessen hatte, auch wiederbekommen zu haben.
Samstag, Februar 18, 2006
Kulinarisches
Die Satzstellung im Deutschen ist nicht ganz unwichtig, und Konjugation und Deklination sind ebenfalls nicht bloße Dönekens (ich liiiebe dieses Wort!), sondern bedeutungstragend. Beispiel gefällig?
"Ich muß koch essen."
Aufgabe an alle: was hatte der Mann wohl sagen wollen?
"Ich muß koch essen."
Aufgabe an alle: was hatte der Mann wohl sagen wollen?
Dienstag, Februar 14, 2006
Himeji Kōko-en
Von der Burg sind Paul und ich also weiter zum Himeji Kōko-en gegangen, nur fünf Minuten von Himeji-jō entfernt. Eine wunderschöne Gartenanlage, bestehend aus insgesamt neun verschiedenen Gärten im Stil der Edo-Periode. Ursprünglich hatten sich an dieser Stelle Samurai-Residenzen befunden, und die neun Gärten wurden erst 1992 errichtet. Sie werden durch solche Lehmmauern voneinander abgetrennt, wie sie auch zwischen den einzelnen Anwesen der Samurai gestanden haben dürften.
Der größte Garten ist der Oyashiki-no-niwa, der Garten des Herrenhauses, in dessen Zentrum sich ein großer Teich befindet, der von einer überdachten Holzbrücke (sehr hübsch, hier allerdings nur im Hintergrund zu erahnen) und einer wie jener elegant geschwungenen Steinbrücke überquert wird.

Der Teich stellt die Seto-Inlandsee dar, und da es in dieser, wie im Oaska Aquarium gesehen, von Fisch nur so wimmelt, dürfen auch in dem Teich die Fische nicht fehlen. Über 250 bunte Karpfen (Koi) sollen es insgesamt sein, hier sind vier davon zu sehen.

Nur mäßig interessant fanden wir den Nae-no-niwa, den Garten der Setzlinge. Jede Menge kleinerer und größerer Blumentöpfe und -beete, in denen außer der bloßen Erde noch nichts zu sehen war. Auf den Schildern konnten wir dann wenigstens lesen und sehen, was in den Setzkästen dann irgendwann einmal aus dem Erdreich auftauchen wird. Aber immerhin: am Rand stand ein kleiner Weidenbaum, und was wir dort gesehen haben, sah sehr verheißungsvoll aus:
Der Frühling naht!
Weiter ging es in den Cha-no-niwa, den Teezeremoniegarten, wo man in einem kleinen Teehaus für 500 Yen an der Teezeremonie teilnehmen kann. Was wir natürlich gemacht haben.
Eins steht fest: das nächste Mal mache ich so etwas nur in Begleitung von jemandem, der sich damit auskennt.
Wir wurden gebeten, uns auf den Tatamimatten hinzuknien (Paul als Mann hätte sich vermutlich auch bequemer hinsetzen können), bekamen dann einen winzigen süßen Mochi (ein kleiner weicher Kuchen aus Reismehl o.ä., recht süß), und kurz darauf jeweils eine Schale mit Grüntee von einer in einen schönen Kimono gekleideten Frau überreicht. Immer, wenn sie uns etwas gebracht hatte, kniete sie direkt vor uns nieder, legte die Hände vor ihren Knien übereinander auf den Boden und verneigte sich tief. Vermutlich hätten wir das dann auch machen sollen, wir hatten wirklich keine Ahnung und fühlten uns entsprechend unbehaglich. Wir viele Verhaltensnormen wir da gebrochen haben, weiß ich auch nicht, Japaner sind dann ja immer viel zu höflich, es den dummen Ausländern mitzuteilen. Sußer der Frau am Eingang, die kassiert hat, haben die Leute in dem Teehaus auch nicht wirklich Englisch sprechen können, und mein Japanisch reicht inzwischen zwar für Bilderbücher, aber nicht für viel mehr.
Geschmeckt hat es allerdings, auch wenn ich keine Ahnung habe, was die mit dem Tee angestellt haben: er war etwas dickflüssiger als gewohnt, oben cremig bis leicht schaumig - und giftgrün.
Weiter ging es dann durch den Nagare-no-hira-niwa, den flachen Landschaftsgarten in den Natsuki-no-niwa, den Garten der Sommerbäume, die alle erwartungsgemäß noch laublos waren. Machte aber nichts, war trotzdem schön anzusehen, und über allem schwebte Himeji-jōs Nishi-no-maru.

Sehr gut gefallen hat mir der Matsu-no-niwa, der Piniengarten. Viel Grün, und mittendurch schlängelt sich ein Bach mit jeder Menge Koi darin.

Im Hana-no-niwa, dem Blumengarten, gab es auch noch nicht viel zu sehen, aber die ersten Narzissen versprechen den baldigen Frühling.

Auf der anderen Seite sorgte so mancher Strauch, der das Herbstende verpennt hat, für zahlreiche rote Farbtupfer. Hier im Tsukiyama-chisen-no-niwa, dem Garten mit Hügel und Teich, dem vorletzten der Gärten.

Das hier ist definitiv mein Lieblingsfoto aus dem Kōko-en. Auf das Motiv bin ich schon ein bißchen stolz...
Nachdem Paul und ich alle Gärten besichtigt und bewundert hatten, sind wir dann langsam zum Bahnhof zurückgeschlendert, haben unterwegs noch einen Happen gegessen und die Auslagen der Geschäfte bewundert. Am Bahnhof haben wir uns dann getrennt: Paul stieg als Inhaber eines Railpasses in den Shinkansen nach Kyōto, und ich in den Special Rapid Express nach Ōsaka.
Der größte Garten ist der Oyashiki-no-niwa, der Garten des Herrenhauses, in dessen Zentrum sich ein großer Teich befindet, der von einer überdachten Holzbrücke (sehr hübsch, hier allerdings nur im Hintergrund zu erahnen) und einer wie jener elegant geschwungenen Steinbrücke überquert wird.

Der Teich stellt die Seto-Inlandsee dar, und da es in dieser, wie im Oaska Aquarium gesehen, von Fisch nur so wimmelt, dürfen auch in dem Teich die Fische nicht fehlen. Über 250 bunte Karpfen (Koi) sollen es insgesamt sein, hier sind vier davon zu sehen.

Nur mäßig interessant fanden wir den Nae-no-niwa, den Garten der Setzlinge. Jede Menge kleinerer und größerer Blumentöpfe und -beete, in denen außer der bloßen Erde noch nichts zu sehen war. Auf den Schildern konnten wir dann wenigstens lesen und sehen, was in den Setzkästen dann irgendwann einmal aus dem Erdreich auftauchen wird. Aber immerhin: am Rand stand ein kleiner Weidenbaum, und was wir dort gesehen haben, sah sehr verheißungsvoll aus:
Der Frühling naht!Weiter ging es in den Cha-no-niwa, den Teezeremoniegarten, wo man in einem kleinen Teehaus für 500 Yen an der Teezeremonie teilnehmen kann. Was wir natürlich gemacht haben.
Eins steht fest: das nächste Mal mache ich so etwas nur in Begleitung von jemandem, der sich damit auskennt.
Wir wurden gebeten, uns auf den Tatamimatten hinzuknien (Paul als Mann hätte sich vermutlich auch bequemer hinsetzen können), bekamen dann einen winzigen süßen Mochi (ein kleiner weicher Kuchen aus Reismehl o.ä., recht süß), und kurz darauf jeweils eine Schale mit Grüntee von einer in einen schönen Kimono gekleideten Frau überreicht. Immer, wenn sie uns etwas gebracht hatte, kniete sie direkt vor uns nieder, legte die Hände vor ihren Knien übereinander auf den Boden und verneigte sich tief. Vermutlich hätten wir das dann auch machen sollen, wir hatten wirklich keine Ahnung und fühlten uns entsprechend unbehaglich. Wir viele Verhaltensnormen wir da gebrochen haben, weiß ich auch nicht, Japaner sind dann ja immer viel zu höflich, es den dummen Ausländern mitzuteilen. Sußer der Frau am Eingang, die kassiert hat, haben die Leute in dem Teehaus auch nicht wirklich Englisch sprechen können, und mein Japanisch reicht inzwischen zwar für Bilderbücher, aber nicht für viel mehr.
Geschmeckt hat es allerdings, auch wenn ich keine Ahnung habe, was die mit dem Tee angestellt haben: er war etwas dickflüssiger als gewohnt, oben cremig bis leicht schaumig - und giftgrün.
Weiter ging es dann durch den Nagare-no-hira-niwa, den flachen Landschaftsgarten in den Natsuki-no-niwa, den Garten der Sommerbäume, die alle erwartungsgemäß noch laublos waren. Machte aber nichts, war trotzdem schön anzusehen, und über allem schwebte Himeji-jōs Nishi-no-maru.

Sehr gut gefallen hat mir der Matsu-no-niwa, der Piniengarten. Viel Grün, und mittendurch schlängelt sich ein Bach mit jeder Menge Koi darin.

Im Hana-no-niwa, dem Blumengarten, gab es auch noch nicht viel zu sehen, aber die ersten Narzissen versprechen den baldigen Frühling.

Auf der anderen Seite sorgte so mancher Strauch, der das Herbstende verpennt hat, für zahlreiche rote Farbtupfer. Hier im Tsukiyama-chisen-no-niwa, dem Garten mit Hügel und Teich, dem vorletzten der Gärten.

Das hier ist definitiv mein Lieblingsfoto aus dem Kōko-en. Auf das Motiv bin ich schon ein bißchen stolz...
Nachdem Paul und ich alle Gärten besichtigt und bewundert hatten, sind wir dann langsam zum Bahnhof zurückgeschlendert, haben unterwegs noch einen Happen gegessen und die Auslagen der Geschäfte bewundert. Am Bahnhof haben wir uns dann getrennt: Paul stieg als Inhaber eines Railpasses in den Shinkansen nach Kyōto, und ich in den Special Rapid Express nach Ōsaka.
Montag, Februar 13, 2006
Himeji-jō
Endlich! Heute habe ich weder verschlafen noch irgendeinen anderen Grund gehabt, nicht nach Himeji zu fahren. Wäre auch zu ärgerlich gewesen, bei dem herrlichen Wetter heute: wie angekündigt strahlender Sonnenschein und kein Wölkchen am Himmel zu sehen.
(Bei einer leichten Darmverstimmung wirkt eine große Tasse Rooibostee übrigens wahre Wunder über Nacht - ansonsten hätte es heute an dieser Stelle geheißen: eigentlich ...)
Also: strahlender Sonnenschein heute, das ideale Wetter, um sich ein weiteres japanisches Weltkulturerbe anzusehen: Himeji-jō, die Burg von Himeji, eine riesige Anlage und im Original erhalten. Eine Festung gab es an dieser Stelle schon lange, aber ihr heutiges Aussehen erhielt die Burg zwischen 1608 und 1618.

Ich zitiere wieder einmal meinen Reiseführer, den zuverlässigen "Rough Guide To Japan", 3. Auflage, Januar 2005, S. 614:
Die Burg ist tatsächlich gigantisch, wunderschön, toll, fantastisch, oder - wie die Japaner bei solchen Gelegenheiten sagen: すごい, sugoi! Die Burg von Ōsaka ist nichts dagegen. Ich weiß zwar nicht, wie ein fliegender Reiher aussieht, aber ich glaube den Japanern die Ähnlichkeit gerne.

Die Besichtigung des gesamten Komplexes dauert etwa 90 Minuten, erfährt man am Eingang - und es stimmt! Denn bevor man durch mehrere Tore und an vielen Türmchen und Mauern vorbei endlich in den Daitenshū, den großen Hauptturm gelangt, geht es zunächst zur westlichen Zitadelle, dem eigentlichen Wohnbereich (der Hauptturm wurde nur in Kriegszeiten genutzt, und es ist auch wirklich kein sehr wohnlicher Ort), von dem allerdings nur noch der Lange Korridor (oben im Bild) und der "Cosmetic Tower" erhalten sind. Den Langen Korridor kann man besichtigen, wenn man seine Schuhe auszieht und statt dessen in ein Paar Museumsschlappen schlüpft. Brav wie ich bin, habe ich das gemacht - und beschlossen, im Hauptturm dann nur in Socken rumzulaufen, denn in etwas zu kleinen Schlappen, deren Oberseite auch viel zu kurz geraten ist, steile Holztreppen hoch- und dann wieder runterzuklettern, ist schlicht lebensgefährlich. Wie gut, daß ich ein Paar der schönen warmen, liebevoll von Oma gestrickten Wollsocken angezogen hatte!

Die Burganlage wirkt schon riesig, wenn man sich ihr von ferne nähert, und je näher man dem Hauptturm (Daitenshū) kommt, desto mehr verstärkt sich dieser Eindruck. Unten sehr hohe, dicke Mauern, und darüber schwebt dann der elegante hölzerne Daitenshū. Eine höchst gelungene Verbindung aus Funktionalität und Ästhetik.

Wie gewaltig der Daitenshū ist, kann man hier ganz gut sehen. Zumal hier jetzt "nur" einer der drei kleineren, mit dem Daitenshū durch Korridore verbundenen Türme zu sehen ist - und zum Größenvergleich ein kleines Menschlein, das seinen Eltern vor lauter Begeisterung davon gestürmt ist (im Schatten auf der Treppe).

An der Südseite des Daitenshū befindet sich eine riesige Freifläche (vermutlich früher einmal mit weiteren Gebäuden bedeckt), die einem einen schönen Blick auf die Stadt und den Bahnhof bietet. Bei sehr klarem Wetter kann man angeblich auch einige Inseln der Seto-Inlandsee noch weiter südlich des Bahnhofs erkennen, aber in der Hinsicht hatte ich heute kein Glück. Der Himmel war zwar klar, aber es war gerade Mittagszeit, da lachte im Süden die Sonne und erlaubte keinen Blick in allzu weite Fernen.
Dann ging es endlich hinein in den Daitenshū. Viel Holz, zugig, und vor allem in den unteren Stockwerken sehr dunkel - kein Wunder, daß die Burgen ständig abgebrannt sind, meinte ich zu einem anderen ausländischen Touristen. So kamen wir ins Gespräch und haben den Rest der Besichtigungstour gemeinsam absolviert. Paul hieß der junge Mann, Engländer, der seinen bei Kyotō lebenden Bruder für ein paar Wochen besucht.
Zu unserer Erleichterung haben die Japaner die 12 Jahre seit der Aufnahme von Himeji-jō in die Weltkulturerbeliste u.a. dazu genutzt, alle Ausstellungsgegenstände auch mit zufriedenstellenden englischen Erklärungen zu versehen - ganz im Unterschied zu anderen Museen. Wir sahen alte Zeichnungen, Tagebücher von Kriegern und Burgbewohnern, alte Waffen und einige Rüstungen. Diese hier hat sogar einen Bart an der Gesichtsmaske.

Ich bin mir nur nicht sicher, ob sich der Feind über den Bart zu Tode erschrecken oder totlachen sollte. Wirkt jedenfalls reichlich bizarr.
Vom obersten Stockwerk des Daitenshū hat man wieder eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt.

Hier ist die westliche Zitadelle noch einmal zu sehen. Das weiß leuchtende Gebäude in der rechten Bildmitte ist der "Cosmetic Tower", der gerade renoviert wird, und dahinter schließt der Lange Korridor an. Wie man sieht - die Burganlage ist wirklich riesig.

Und hier noch mal ein Blick in die andere Richtung. Der Fisch auf dem Giebel ist übrigens ein Talisman, der das Gebäude vor Feuer, Erdbeben und anderen Katastrophen schützen soll. Das hat eine gewisse Logik, denn wo Fische leben, hat normales Feuer keine Chance.

Das hier ist ein etwas makabrer Ort: Harakiri-maru, wo die Samurai angeblich Selbstmord begangenen haben sollen. In Wirklichkeit, sagt das Infoblatt, das ich am Eingang bekommen habe, war das Gebäude einer der wichtigsten Verteidigungsposten für das hintere Tor.

Noch ein letzter Blick auf den Hauptturm und die dicken Verteidigungsmauern, dann sind Paul und ich zum benachbarten Himeji Kōko-en, einer wunderschönen Gartenanlage, weitergezogen. Der bebilderte Bericht folgt.
(Bei einer leichten Darmverstimmung wirkt eine große Tasse Rooibostee übrigens wahre Wunder über Nacht - ansonsten hätte es heute an dieser Stelle geheißen: eigentlich ...)
Also: strahlender Sonnenschein heute, das ideale Wetter, um sich ein weiteres japanisches Weltkulturerbe anzusehen: Himeji-jō, die Burg von Himeji, eine riesige Anlage und im Original erhalten. Eine Festung gab es an dieser Stelle schon lange, aber ihr heutiges Aussehen erhielt die Burg zwischen 1608 und 1618.

Ich zitiere wieder einmal meinen Reiseführer, den zuverlässigen "Rough Guide To Japan", 3. Auflage, Januar 2005, S. 614:
Of Japan's twelve surviving feudal-era fortresses, by far the most impressive is the one in the city of Himeji, 55 km west of Kōbe. (...) The splendid gabled donjons of Himeji-jō - also known as Shirasagi-jō, or "white egret castle", since the complex is supposed to resemble the shape of the bird in flight - miraculously survived the World War II bombings that laid waste to much of the city, and in 1993 it was added to UNESCO's World Heritage list.
Die Burg ist tatsächlich gigantisch, wunderschön, toll, fantastisch, oder - wie die Japaner bei solchen Gelegenheiten sagen: すごい, sugoi! Die Burg von Ōsaka ist nichts dagegen. Ich weiß zwar nicht, wie ein fliegender Reiher aussieht, aber ich glaube den Japanern die Ähnlichkeit gerne.

Die Besichtigung des gesamten Komplexes dauert etwa 90 Minuten, erfährt man am Eingang - und es stimmt! Denn bevor man durch mehrere Tore und an vielen Türmchen und Mauern vorbei endlich in den Daitenshū, den großen Hauptturm gelangt, geht es zunächst zur westlichen Zitadelle, dem eigentlichen Wohnbereich (der Hauptturm wurde nur in Kriegszeiten genutzt, und es ist auch wirklich kein sehr wohnlicher Ort), von dem allerdings nur noch der Lange Korridor (oben im Bild) und der "Cosmetic Tower" erhalten sind. Den Langen Korridor kann man besichtigen, wenn man seine Schuhe auszieht und statt dessen in ein Paar Museumsschlappen schlüpft. Brav wie ich bin, habe ich das gemacht - und beschlossen, im Hauptturm dann nur in Socken rumzulaufen, denn in etwas zu kleinen Schlappen, deren Oberseite auch viel zu kurz geraten ist, steile Holztreppen hoch- und dann wieder runterzuklettern, ist schlicht lebensgefährlich. Wie gut, daß ich ein Paar der schönen warmen, liebevoll von Oma gestrickten Wollsocken angezogen hatte!

Die Burganlage wirkt schon riesig, wenn man sich ihr von ferne nähert, und je näher man dem Hauptturm (Daitenshū) kommt, desto mehr verstärkt sich dieser Eindruck. Unten sehr hohe, dicke Mauern, und darüber schwebt dann der elegante hölzerne Daitenshū. Eine höchst gelungene Verbindung aus Funktionalität und Ästhetik.

Wie gewaltig der Daitenshū ist, kann man hier ganz gut sehen. Zumal hier jetzt "nur" einer der drei kleineren, mit dem Daitenshū durch Korridore verbundenen Türme zu sehen ist - und zum Größenvergleich ein kleines Menschlein, das seinen Eltern vor lauter Begeisterung davon gestürmt ist (im Schatten auf der Treppe).

An der Südseite des Daitenshū befindet sich eine riesige Freifläche (vermutlich früher einmal mit weiteren Gebäuden bedeckt), die einem einen schönen Blick auf die Stadt und den Bahnhof bietet. Bei sehr klarem Wetter kann man angeblich auch einige Inseln der Seto-Inlandsee noch weiter südlich des Bahnhofs erkennen, aber in der Hinsicht hatte ich heute kein Glück. Der Himmel war zwar klar, aber es war gerade Mittagszeit, da lachte im Süden die Sonne und erlaubte keinen Blick in allzu weite Fernen.
Dann ging es endlich hinein in den Daitenshū. Viel Holz, zugig, und vor allem in den unteren Stockwerken sehr dunkel - kein Wunder, daß die Burgen ständig abgebrannt sind, meinte ich zu einem anderen ausländischen Touristen. So kamen wir ins Gespräch und haben den Rest der Besichtigungstour gemeinsam absolviert. Paul hieß der junge Mann, Engländer, der seinen bei Kyotō lebenden Bruder für ein paar Wochen besucht.
Zu unserer Erleichterung haben die Japaner die 12 Jahre seit der Aufnahme von Himeji-jō in die Weltkulturerbeliste u.a. dazu genutzt, alle Ausstellungsgegenstände auch mit zufriedenstellenden englischen Erklärungen zu versehen - ganz im Unterschied zu anderen Museen. Wir sahen alte Zeichnungen, Tagebücher von Kriegern und Burgbewohnern, alte Waffen und einige Rüstungen. Diese hier hat sogar einen Bart an der Gesichtsmaske.

Ich bin mir nur nicht sicher, ob sich der Feind über den Bart zu Tode erschrecken oder totlachen sollte. Wirkt jedenfalls reichlich bizarr.
Vom obersten Stockwerk des Daitenshū hat man wieder eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt.

Hier ist die westliche Zitadelle noch einmal zu sehen. Das weiß leuchtende Gebäude in der rechten Bildmitte ist der "Cosmetic Tower", der gerade renoviert wird, und dahinter schließt der Lange Korridor an. Wie man sieht - die Burganlage ist wirklich riesig.

Und hier noch mal ein Blick in die andere Richtung. Der Fisch auf dem Giebel ist übrigens ein Talisman, der das Gebäude vor Feuer, Erdbeben und anderen Katastrophen schützen soll. Das hat eine gewisse Logik, denn wo Fische leben, hat normales Feuer keine Chance.

Das hier ist ein etwas makabrer Ort: Harakiri-maru, wo die Samurai angeblich Selbstmord begangenen haben sollen. In Wirklichkeit, sagt das Infoblatt, das ich am Eingang bekommen habe, war das Gebäude einer der wichtigsten Verteidigungsposten für das hintere Tor.

Noch ein letzter Blick auf den Hauptturm und die dicken Verteidigungsmauern, dann sind Paul und ich zum benachbarten Himeji Kōko-en, einer wunderschönen Gartenanlage, weitergezogen. Der bebilderte Bericht folgt.
Samstag, Februar 11, 2006
"Mein Hobby ist ..."
Ich habe ja erst überlegt, schreib ich es oder schreib ich es nicht, aber da ich über den Satz heute noch lauthals lachen kann, soll der Rest der Welt auch was davon haben.
Lehrreich ist es außerdem, denn es zeigt sehr schön, was passiert, wenn man beim Abschreiben aus dem Wörterbuch nicht aufpaßt mit der Rechtschreibung.
Gestern abend kam Suzana nach einer Stunde lachend zu den Buden gerannt, wo wir anderen Deutschlehrer saßen, und rief:
"Eben sagte mir eine Studentin: "Mein Hobby ist Bogenscheißen"!"
Wegen dieser Sternstunden mag ich meinen Job.
Lehrreich ist es außerdem, denn es zeigt sehr schön, was passiert, wenn man beim Abschreiben aus dem Wörterbuch nicht aufpaßt mit der Rechtschreibung.
Gestern abend kam Suzana nach einer Stunde lachend zu den Buden gerannt, wo wir anderen Deutschlehrer saßen, und rief:
"Eben sagte mir eine Studentin: "Mein Hobby ist Bogenscheißen"!"
Wegen dieser Sternstunden mag ich meinen Job.
Freitag, Februar 10, 2006
Harapeko aomushi
Ich bin sooo stolz auf mich!!!
Mein Japanisch macht Riesenfortschritte.
Gerade lese ich mein allererstes Buch auf Japanisch.
Das ist gar nicht so leicht, wenn man nur ein winziges Wörterbuch zur Verfügung hat, in dem man viele Wörter nicht oder nur in etwas anderer Form findet.
Aber davon lasse ich mich nicht unterkriegen, und ich habe heute eine ganze Menge geschafft.
Ich weiß ja auch, worum es in dem Buch geht.
Mir fehlen nur noch die letzten drei Seiten, die werde ich mir heute abend nach der Arbeit zu Gemüte führen.
Aber jetzt wollt Ihr ja sicher alle wissen, welche anspruchsvolle Lektüre ich gerade habe.
Also:
*großer, langanhaltender Trommelwirbel*
はらぺこ あおむし (harapeko aomushi),
oder "The Very Hungry Caterpillar",
bei uns bekannt als ...
DIE KLEINE RAUPE NIMMERSATT!!!!
Mein Japanisch macht Riesenfortschritte.
Gerade lese ich mein allererstes Buch auf Japanisch.
Das ist gar nicht so leicht, wenn man nur ein winziges Wörterbuch zur Verfügung hat, in dem man viele Wörter nicht oder nur in etwas anderer Form findet.
Aber davon lasse ich mich nicht unterkriegen, und ich habe heute eine ganze Menge geschafft.
Ich weiß ja auch, worum es in dem Buch geht.
Mir fehlen nur noch die letzten drei Seiten, die werde ich mir heute abend nach der Arbeit zu Gemüte führen.
Aber jetzt wollt Ihr ja sicher alle wissen, welche anspruchsvolle Lektüre ich gerade habe.
Also:
*großer, langanhaltender Trommelwirbel*
はらぺこ あおむし (harapeko aomushi),
oder "The Very Hungry Caterpillar",
bei uns bekannt als ...
DIE KLEINE RAUPE NIMMERSATT!!!!
Donnerstag, Februar 09, 2006
Neues vom Tage
Es gibt einige Neuigkeiten, und alle von gestern!
Erstens: André hat mich gestern nach meiner halben Frühschicht abgefangen und gefragt, ob ich Interesse an Demolessons hätte. Das sind buchstäbliche Schnupperstunden von 10 Minuten Länge für potentielle neue Kunden. Klar hätte ich Interesse, habe ich gesagt. Sofort bekam ich das "pre-task" in die Hand gedrückt, meine "Hausaufgaben" für das erste Demo-Training, daß am 17. Februar stattfinden wird.
Zweitens: am 2. März wird Anita aus den USA hier einziehen. Ich hatte also recht: im März kommen viele neue an.
Drittens: Nachdem ich meine verspannte Schulter über eine Woche lang mehr oder weniger tapfer ertragen habe, Dienstag in der Apotheke eine heilende Lotion gekauft und mich am Mittwoch trotzdem nur mühsam bewegen konnte (o.k. ich war nie irgendwo unbeweglich, aber es tat halt weh), bin ich gestern nachmittag nach der Arbeit (und dem Mittagessen mit Nicky) zur Massage gegangen. Praktischerweise gab es eine Praxis gleich im Namba Walk. 15 Minuten für 1.600 Yen. Tat das gut! Inzwischen ist die Verspannung so gut wie weg, aber mein Kollege Alexander hatte mir ja schon gesagt, daß es bei ihm in einem ähnlichen Fall auch noch zwei Tage nach der Massage gedauert hätte, bis nichts mehr weh tat.
Viertens: das Treffen mit Natsuko verlief erfolgreich. Wir beide waren pünktlich, haben uns problemlos gefunden (bzw. sie mich, nachdem ich ihr zur Sicherheit noch die Farbe meiner Winterjacke - hellblau - mitgeteilt hatte). In einem kleinen Café im Untergeschoß des OCAT haben wir uns dann von 17:30 bis 20:00 an einem großen Kaffee (ich) und Eistee (Natsuko) festgehalten und uns angeregt unterhalten. Auf Deutsch. Natsuko spricht fließend, erstens weil sie Germanistik studiert hat und das zweitens zwei Jahre ins Konstanz getan hat. Viel Japanisch habe ich gestern nicht gelernt, aber das war beim ersten Kennenlernen auch ganz in Ordnung. Und weil Natsuko nach eigenen Worten nicht viel Erfahrung im Japanischunterrichten hat, habe ich dann gesagt, daß ich nächstes Mal gerne lernen würde, Wegbeschreibungen zu verstehen und zu geben.
Alles in allem also ein sehr zufriedenstellender Tag.
Erstens: André hat mich gestern nach meiner halben Frühschicht abgefangen und gefragt, ob ich Interesse an Demolessons hätte. Das sind buchstäbliche Schnupperstunden von 10 Minuten Länge für potentielle neue Kunden. Klar hätte ich Interesse, habe ich gesagt. Sofort bekam ich das "pre-task" in die Hand gedrückt, meine "Hausaufgaben" für das erste Demo-Training, daß am 17. Februar stattfinden wird.
Zweitens: am 2. März wird Anita aus den USA hier einziehen. Ich hatte also recht: im März kommen viele neue an.
Drittens: Nachdem ich meine verspannte Schulter über eine Woche lang mehr oder weniger tapfer ertragen habe, Dienstag in der Apotheke eine heilende Lotion gekauft und mich am Mittwoch trotzdem nur mühsam bewegen konnte (o.k. ich war nie irgendwo unbeweglich, aber es tat halt weh), bin ich gestern nachmittag nach der Arbeit (und dem Mittagessen mit Nicky) zur Massage gegangen. Praktischerweise gab es eine Praxis gleich im Namba Walk. 15 Minuten für 1.600 Yen. Tat das gut! Inzwischen ist die Verspannung so gut wie weg, aber mein Kollege Alexander hatte mir ja schon gesagt, daß es bei ihm in einem ähnlichen Fall auch noch zwei Tage nach der Massage gedauert hätte, bis nichts mehr weh tat.
Viertens: das Treffen mit Natsuko verlief erfolgreich. Wir beide waren pünktlich, haben uns problemlos gefunden (bzw. sie mich, nachdem ich ihr zur Sicherheit noch die Farbe meiner Winterjacke - hellblau - mitgeteilt hatte). In einem kleinen Café im Untergeschoß des OCAT haben wir uns dann von 17:30 bis 20:00 an einem großen Kaffee (ich) und Eistee (Natsuko) festgehalten und uns angeregt unterhalten. Auf Deutsch. Natsuko spricht fließend, erstens weil sie Germanistik studiert hat und das zweitens zwei Jahre ins Konstanz getan hat. Viel Japanisch habe ich gestern nicht gelernt, aber das war beim ersten Kennenlernen auch ganz in Ordnung. Und weil Natsuko nach eigenen Worten nicht viel Erfahrung im Japanischunterrichten hat, habe ich dann gesagt, daß ich nächstes Mal gerne lernen würde, Wegbeschreibungen zu verstehen und zu geben.
Alles in allem also ein sehr zufriedenstellender Tag.
Montag, Februar 06, 2006
Sprachaustausch
Vor ca. zwei Monaten habe ich mal versucht, über diese Seite an einen Austauschpartner zu geraten, der mir im Austausch für Deutschunterricht mit meinem Japanisch weiterhilft. Ich hatte auch tatsächlich eine entsprechende Anzeige gefunden, aber auf meine Email habe ich nie eine Nachricht bekommen und die Sache dann erst einmal sein lassen.
Am Donnerstag vormittag habe ich mich dann erneut aufgerafft und die Seite noch einmal aufgerufen. Ich muß einfach mehr Japanisch sprechen, sonst wird das nie was. Nach längerem Suchen (hauptsächlich werden Austauschpartner für Englisch gesucht) habe ich dann tatsächlich wen gefunden: Natsuko, (noch) Germanistikstudentin in Osaka, die gerade ihren Abschluß macht und auch danach noch Deutsch sprechen möchte.
Wir haben schon ein paar Emails ausgetauscht, und jetzt geht es nur noch darum, wo und wann genau wir uns am Mittwoch das erste Mal treffen. Bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt.
Am Donnerstag vormittag habe ich mich dann erneut aufgerafft und die Seite noch einmal aufgerufen. Ich muß einfach mehr Japanisch sprechen, sonst wird das nie was. Nach längerem Suchen (hauptsächlich werden Austauschpartner für Englisch gesucht) habe ich dann tatsächlich wen gefunden: Natsuko, (noch) Germanistikstudentin in Osaka, die gerade ihren Abschluß macht und auch danach noch Deutsch sprechen möchte.
Wir haben schon ein paar Emails ausgetauscht, und jetzt geht es nur noch darum, wo und wann genau wir uns am Mittwoch das erste Mal treffen. Bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt.
Wenn man mich sooo lieb bittet...
... dann mache ich bei diesem Kettenbrief halt auch mit.
Vier Jobs in meinem Leben
Dauerstudentin
Elektrikergehilfin
Kinderbetreuerin
Deutschlehrerin
Vier Filme, die ich immer wieder sehen kann
Star Trek IV
Die letzte Metro
Things You Can Tell Just By Looking At Her
Jahrestage
Vier Orte, an denen ich gelebt habe
Löhne, Bad Oeynhausen
Rostock
Moskau
Osaka
(bei mir ist der Trend gen Osten unübersehbar!)
Vier TV-Sendungen, die ich gerne sehe
Star Trek
Die Sendung mit der Maus
Für alle Fälle Amy
Kabarett am Samstag abend auf WDR3
Vier Orte, an denen ich Urlaub gemacht habe
Grafenhausen
s. Punkt 1 bei Sabine
Malojaroslavec
Družnaja
Vier meiner Lieblingsgerichte
Kaffee
Eis
Eiskaffee
eine dicke Stulle mit ganz viel selbstgemachter Leberwurst aus der Amselschänke drauf
Vier Webseiten, die ich täglich besuche
meinen eigenen Blog
siehe die Einträge rechts
spiegel.de
Genki (thanks, Cari!)
Vier Orte, wo ich jetzt lieber wäre
Bad Oeynhausen (gerade sehr akut)
Moskau
Krakau
Kyoto (das läßt sich machen, aber nicht dieses Wochenende)
Vier Blogger, die das über sich ergehen lassen soll(t)en
Sabine (hat schon)
Patrick (hat schon)
Andreas (hat schon)
Cari (I'd help you with the translation, if you want!)
Vier Jobs in meinem Leben
Dauerstudentin
Elektrikergehilfin
Kinderbetreuerin
Deutschlehrerin
Vier Filme, die ich immer wieder sehen kann
Star Trek IV
Die letzte Metro
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Jahrestage
Vier Orte, an denen ich gelebt habe
Löhne, Bad Oeynhausen
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Moskau
Osaka
(bei mir ist der Trend gen Osten unübersehbar!)
Vier TV-Sendungen, die ich gerne sehe
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Die Sendung mit der Maus
Für alle Fälle Amy
Kabarett am Samstag abend auf WDR3
Vier Orte, an denen ich Urlaub gemacht habe
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s. Punkt 1 bei Sabine
Malojaroslavec
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Vier meiner Lieblingsgerichte
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Eis
Eiskaffee
eine dicke Stulle mit ganz viel selbstgemachter Leberwurst aus der Amselschänke drauf
Vier Webseiten, die ich täglich besuche
meinen eigenen Blog
siehe die Einträge rechts
spiegel.de
Genki (thanks, Cari!)
Vier Orte, wo ich jetzt lieber wäre
Bad Oeynhausen (gerade sehr akut)
Moskau
Krakau
Kyoto (das läßt sich machen, aber nicht dieses Wochenende)
Vier Blogger, die das über sich ergehen lassen soll(t)en
Sabine (hat schon)
Patrick (hat schon)
Andreas (hat schon)
Cari (I'd help you with the translation, if you want!)
Merkwürdige Dinge passieren...
Da ist doch über Nacht einfach mein Eintrag von gestern aus meinem Blog verschwunden, und ich habe keine Ahnung warum und wohin!
Immerhin habe ich das Verfassen des Posts nicht geträumt, denn in meinem Postfach war heute morgen die Nachricht über einen Kommentar von Andreas, der mir mitteilt, ich hätte zu diesem Post (also zu dem, der verschwunden ist) keine Kommentare zugelassen. Nix dergleichen habe ich getan!!
Der Post ist jedenfalls weg, auch als ich mich eingeloggt habe und auf "Posts bearbeiten" gegangen bin, war er auch nicht zu sehen.
Sonderbar.
Außerdem merkwürdig ist, daß ich Andreas' Kommentar zwar in meinem Emailfach, aber nicht in meinem Blog habe. Bei dem Eintrag, wo er ihn dann hinterlassen hat, wird zwar unten "5 Kommentare" angezeigt, aber wenn ich mir die Kommentare ansehen will, dann stehen da nur vier, und kein Druck auf die magische F5-Taste kann das ändern.
Ich habe keine Ahnung, was hier abgeht.
Hat irgendjemand da draußen irgendeine Idee?!
Immerhin habe ich das Verfassen des Posts nicht geträumt, denn in meinem Postfach war heute morgen die Nachricht über einen Kommentar von Andreas, der mir mitteilt, ich hätte zu diesem Post (also zu dem, der verschwunden ist) keine Kommentare zugelassen. Nix dergleichen habe ich getan!!
Der Post ist jedenfalls weg, auch als ich mich eingeloggt habe und auf "Posts bearbeiten" gegangen bin, war er auch nicht zu sehen.
Sonderbar.
Außerdem merkwürdig ist, daß ich Andreas' Kommentar zwar in meinem Emailfach, aber nicht in meinem Blog habe. Bei dem Eintrag, wo er ihn dann hinterlassen hat, wird zwar unten "5 Kommentare" angezeigt, aber wenn ich mir die Kommentare ansehen will, dann stehen da nur vier, und kein Druck auf die magische F5-Taste kann das ändern.
Ich habe keine Ahnung, was hier abgeht.
Hat irgendjemand da draußen irgendeine Idee?!
Montag, Januar 30, 2006
Eigentlich...
... wollten Angelica und ich die Tatsache ausnutzen, daß Angelica einen ihrer freien Tage getauscht und heute auch frei hat, und hierhin fahren. Statt dessen sind wir hier gelandet:
Aber der Reihe nach.
Verabredet hatten wir gestern, uns heute um 9:15 bei Starbucks zu treffen und von da die paar Meter bis zum Bahnhof zu laufen.
Heute morgen wachte ich davon auf, daß Claudias Wecker auf der anderen Seite der Papierschiebetür um 9:20 klingelte. Als mein eigener heute morgen um 7:00 klingelte, muß eine temporäre Störung im Raum-Zeit-Kontinuum verhindert haben, daß ich das Klingeln zur Kenntnis nahm. Ich habe absolut nichts davon gehört.
Jedenfalls bin ich dann um 9:20:24 (= 4 Schrecksekunden später) fluchend aus dem Bett gesprungen, habe das Handy angestellt (wie gesagt: meistens ist es aus...) - und es klingelte sofort. Angelica. Bevor ich irgendwas sagen konnte, erzählte sie mir, sie habe die halbe Nacht mit ihrer Mitbewohnerin Myriah gequatscht und danach erst um 7 Uhr morgens einschlafen können. Folglich sei sie viel zu müde, um irgendwohin zu fahren, sondern wolle lieber versuchen, noch drei Stunden zu schlafen. Irgendwann konnte ich ihren Redeschwall unterbrechen: "Angelica, I overslept and I've just got up!"
Wir haben dann vereinbart, uns um 1 Uhr bei Starbucks zu treffen und dann irgendwoanders hinzugehen. Die Wahl fiel auf das Ōsaka Museum of History, weil das eines der wenigen Museen ist, das Montags nicht geschlossen hat.
In dem Museum gibt es eine liebevoll gestaltete Ausstellung zur Stadtgeschichte, angefangen von dem ersten Palast, den es an der Stelle, wo heute das Museum (und nebenan Ōsaka Castle) steht, mal gegeben hat. Hier ein Modell:
Weiter ging es dann mit Ansichten und Ausstellungsstücken aus der Edo-Periode, als Ōsaka zum bedeutenden Handelszentrum aufstieg.
Am Schluß tauchten wir in das Ōsaka der 1930er Jahre ein:

Wir sind eine nachgebaute Straße aus Shinsaibashi entlanggeschlendert, warfen einen Blick in eine typische japanische Wohnung aus den 30er Jahren - interessant.

Ein großes Manko hat das Museum allerdings: die englischsprachigen Erklärungen sind eher rudimentär und auf das allernötigste beschränkt. Da sieht man zum Beispiel ein Paar alte Lederschuhe, die mindestens 1000 Jahre auf dem Buckel haben, und auf dem großen Schild steht schlicht "Leather shoes". So weit war ich auch schon gekommen. Die weiterführenden Erklärungen (von denen es überall jede Menge gab) waren ausschließlich in Japanisch.
Fazit: schön gemacht, aber nur bedingt empfehlenswert.
Das Wetter heute war übrigens total verregnet und diesig. Da hätten wir von Himeji eh nicht viel gehabt.
Aber der Reihe nach.Verabredet hatten wir gestern, uns heute um 9:15 bei Starbucks zu treffen und von da die paar Meter bis zum Bahnhof zu laufen.
Heute morgen wachte ich davon auf, daß Claudias Wecker auf der anderen Seite der Papierschiebetür um 9:20 klingelte. Als mein eigener heute morgen um 7:00 klingelte, muß eine temporäre Störung im Raum-Zeit-Kontinuum verhindert haben, daß ich das Klingeln zur Kenntnis nahm. Ich habe absolut nichts davon gehört.
Jedenfalls bin ich dann um 9:20:24 (= 4 Schrecksekunden später) fluchend aus dem Bett gesprungen, habe das Handy angestellt (wie gesagt: meistens ist es aus...) - und es klingelte sofort. Angelica. Bevor ich irgendwas sagen konnte, erzählte sie mir, sie habe die halbe Nacht mit ihrer Mitbewohnerin Myriah gequatscht und danach erst um 7 Uhr morgens einschlafen können. Folglich sei sie viel zu müde, um irgendwohin zu fahren, sondern wolle lieber versuchen, noch drei Stunden zu schlafen. Irgendwann konnte ich ihren Redeschwall unterbrechen: "Angelica, I overslept and I've just got up!"
Wir haben dann vereinbart, uns um 1 Uhr bei Starbucks zu treffen und dann irgendwoanders hinzugehen. Die Wahl fiel auf das Ōsaka Museum of History, weil das eines der wenigen Museen ist, das Montags nicht geschlossen hat.
In dem Museum gibt es eine liebevoll gestaltete Ausstellung zur Stadtgeschichte, angefangen von dem ersten Palast, den es an der Stelle, wo heute das Museum (und nebenan Ōsaka Castle) steht, mal gegeben hat. Hier ein Modell:
Weiter ging es dann mit Ansichten und Ausstellungsstücken aus der Edo-Periode, als Ōsaka zum bedeutenden Handelszentrum aufstieg.
Am Schluß tauchten wir in das Ōsaka der 1930er Jahre ein:
Wir sind eine nachgebaute Straße aus Shinsaibashi entlanggeschlendert, warfen einen Blick in eine typische japanische Wohnung aus den 30er Jahren - interessant.

Ein großes Manko hat das Museum allerdings: die englischsprachigen Erklärungen sind eher rudimentär und auf das allernötigste beschränkt. Da sieht man zum Beispiel ein Paar alte Lederschuhe, die mindestens 1000 Jahre auf dem Buckel haben, und auf dem großen Schild steht schlicht "Leather shoes". So weit war ich auch schon gekommen. Die weiterführenden Erklärungen (von denen es überall jede Menge gab) waren ausschließlich in Japanisch.
Fazit: schön gemacht, aber nur bedingt empfehlenswert.
Das Wetter heute war übrigens total verregnet und diesig. Da hätten wir von Himeji eh nicht viel gehabt.
Samstag, Januar 28, 2006
Service, Nachtrag
Vor zwei Wochen habe ich mich lobend über die japanische Post ausgelassen. Davon kann an sich jedes Wort so stehen bleiben, ein kleines Päckchen für 600 Yen in nur 4 Tagen von Japan nach Deutschland zu schicken, das ist und bleibt eine Spitzenleistung, von der sich so mancher Dienstleister eine Scheibe von abschneiden könnte.
Aber: ich muß das leider etwas revidieren. Sobald man ein etwas größeres Päckchen nach Deutschland schicken will, wird es doch teuer.
Aber von vorne: schon vor einiger Zeit hatte ich die - wie ich immer noch finde - gute Idee, dem Verein Heim-statt Tschernobyl e.V. eine kleine Sachspende für die Mutter-Kind-Erholungen in diesem Sommer zukommen zu lassen. Ein paar Päckchen Origamipapier, um genau zu sein. Im Hundert-Yen-Shop bekommt man das für wenig Geld, auf den Packungen sind immer auch ein paar Anleitungen dabei, die man auch versteht, wenn man des Japanischen nicht mächtig ist, und dann habe ich noch ein kleines japanisch-englisches Buch, aus dem ich noch ein paar Seiten kopiert habe. Am Dienstag habe ich dann zehn Päckchen Origamipaier, die paar Kopien und eine kleine Postkarte in einen großen Briefumschlag getan und bin damit zur Post marschiert.
Gesamtgewicht: knapp 1.200 g. Die Postangestellte schrieb mir dann vier verschiedene Versandmöglichkeiten auf einen Zettel, deren Kosten sich in einem Rahmen von 2.000 bis 3.400 Yen bewegten. Natürlich habe ich die billigste Variante gewählt. Das wäre das Päckchen gewesen.
Dann fragte mich das Mädchen, ob da ein Brief drin sei. Weil ich sie verständnislos ansah (das Wort für Brief kenne ich inzwischen, ich hatte nur keine Ahnung, was die Frage sollte), rief sie ihre des Englischen mächtige Kollegin. Die fragte mich wieder, ob da ein Brief drin sei.
Ich hätte besser die Klappe gehalten. Aber ich erklärte wahrheitsgemäß, daß eine Postkarte in dem großen Briefumschlag liege. "Ist das handschriftlich?"
Was für eine dämliche Frage, dachte ich mir, wer jagt schon eine Postkarte durch den Drucker?!
Mal abgesehen davon, daß ich hier gar keinen Drucker habe, aber das ist ein anderes Thema.
Wie gesagt: ich hätte besser die Klappe gehalten. Wenn ein Brief oder etwas ähnliches Handschriftliches mit im dem Päckchen ist, darf man es nicht mehr als Päckchen verschicken. "Why?!" "Why? Hm, that's a good question..." mußte das Mädchen auf der Post zugeben.
Sie meinte dann auch, daß sie persönlich nichts dagegen hätte, den Briefumschlag als Päckchen aufzugeben, "but it's a RULE, and I don't want to break it." Denn: es könnte geöffnet werden, und dann würde es sofort zurückgeschickt werden.
*?!* Hallo?! Postgeheimnis?! Wo bin ich hier?!
Ich hatte keine große Lust, da groß rumzudiskutieren, hätte eh nix gebracht, also habe ich zähneknirschend die zweitbilligste Variante gewählt und das Ding als Paket mit der Schiffspost auf den Weg geschickt. 2.300 Yen (zugegebenermaßen nicht sooo viel teurer, aber immerhin), und dann ist es vielleicht in einem Monat da. Kommt auf das Schiff an.
Der Wert des Origamipapiers liegt übrigens bei knapp über 1.000 Yen. Plus 100 Yen für die Kopien. Plus 50 Yen für die Postkarte. Plus Tinte.
Wer sich diese dämliche Regel ausgedacht hat, möchte ich wissen. Ehrlich: wie viel Sake muß man intus haben, um auf so eine beknackte Idee zu kommen?!
Ich bin mir auch ziemlich sicher, daß das nur ein Mann gewesen sein kann. Frauen haben auch blöde Ideen, aber nicht solche.
Aber: ich muß das leider etwas revidieren. Sobald man ein etwas größeres Päckchen nach Deutschland schicken will, wird es doch teuer.
Aber von vorne: schon vor einiger Zeit hatte ich die - wie ich immer noch finde - gute Idee, dem Verein Heim-statt Tschernobyl e.V. eine kleine Sachspende für die Mutter-Kind-Erholungen in diesem Sommer zukommen zu lassen. Ein paar Päckchen Origamipapier, um genau zu sein. Im Hundert-Yen-Shop bekommt man das für wenig Geld, auf den Packungen sind immer auch ein paar Anleitungen dabei, die man auch versteht, wenn man des Japanischen nicht mächtig ist, und dann habe ich noch ein kleines japanisch-englisches Buch, aus dem ich noch ein paar Seiten kopiert habe. Am Dienstag habe ich dann zehn Päckchen Origamipaier, die paar Kopien und eine kleine Postkarte in einen großen Briefumschlag getan und bin damit zur Post marschiert.
Gesamtgewicht: knapp 1.200 g. Die Postangestellte schrieb mir dann vier verschiedene Versandmöglichkeiten auf einen Zettel, deren Kosten sich in einem Rahmen von 2.000 bis 3.400 Yen bewegten. Natürlich habe ich die billigste Variante gewählt. Das wäre das Päckchen gewesen.
Dann fragte mich das Mädchen, ob da ein Brief drin sei. Weil ich sie verständnislos ansah (das Wort für Brief kenne ich inzwischen, ich hatte nur keine Ahnung, was die Frage sollte), rief sie ihre des Englischen mächtige Kollegin. Die fragte mich wieder, ob da ein Brief drin sei.
Ich hätte besser die Klappe gehalten. Aber ich erklärte wahrheitsgemäß, daß eine Postkarte in dem großen Briefumschlag liege. "Ist das handschriftlich?"
Was für eine dämliche Frage, dachte ich mir, wer jagt schon eine Postkarte durch den Drucker?!
Mal abgesehen davon, daß ich hier gar keinen Drucker habe, aber das ist ein anderes Thema.
Wie gesagt: ich hätte besser die Klappe gehalten. Wenn ein Brief oder etwas ähnliches Handschriftliches mit im dem Päckchen ist, darf man es nicht mehr als Päckchen verschicken. "Why?!" "Why? Hm, that's a good question..." mußte das Mädchen auf der Post zugeben.
Sie meinte dann auch, daß sie persönlich nichts dagegen hätte, den Briefumschlag als Päckchen aufzugeben, "but it's a RULE, and I don't want to break it." Denn: es könnte geöffnet werden, und dann würde es sofort zurückgeschickt werden.
*?!* Hallo?! Postgeheimnis?! Wo bin ich hier?!
Ich hatte keine große Lust, da groß rumzudiskutieren, hätte eh nix gebracht, also habe ich zähneknirschend die zweitbilligste Variante gewählt und das Ding als Paket mit der Schiffspost auf den Weg geschickt. 2.300 Yen (zugegebenermaßen nicht sooo viel teurer, aber immerhin), und dann ist es vielleicht in einem Monat da. Kommt auf das Schiff an.
Der Wert des Origamipapiers liegt übrigens bei knapp über 1.000 Yen. Plus 100 Yen für die Kopien. Plus 50 Yen für die Postkarte. Plus Tinte.
Wer sich diese dämliche Regel ausgedacht hat, möchte ich wissen. Ehrlich: wie viel Sake muß man intus haben, um auf so eine beknackte Idee zu kommen?!
Ich bin mir auch ziemlich sicher, daß das nur ein Mann gewesen sein kann. Frauen haben auch blöde Ideen, aber nicht solche.
*kopfschüttel*
Freitag, Januar 27, 2006
Zen und Bambus
Ich war ja unter anderem auch in der Hoffnung nach Arashiyama gefahren, um etwas Schnee zu sehen. Meine Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Zumindest nicht allzusehr. Während des "Aufstiegs" zum Iwata-yama bin ich an einigen kleinen Schneefeldern vorbeigekommen, aber hauptsächlich war der Schnee entweder da zu finden, wo kaum Sonne hinkam, oder noch weiter oben. Auf richtigen Bergen, beispielsweise.

Aber immerhin hatte die Schneemenge in der Stadt selbst den Angestellten eines der zahlreichen Andenkenläden ausgereicht, um vor dem Eingang jeweils links und rechts ein Spalier aus je drei Schneemännchen aufzustellen. "Schneemann" heißt auf Japanisch übrigens "yukidaruma". Ich zeige hier nur die linke Seite, denkt Euch die anderen drei einfach dazu, die sahen sehr ähnlich aus.
Zugegeben, ich hatte auch den Verdacht, daß es sich hier eher um Schneeaffen oder -hasen als -männer handelt. Alternativvorschläge der Leserschaft werden gerne entgegengenommen.
Daß es auch in Arashiyama ein Weltkulturerbe gibt, hatte ich ja schon erwähnt, und da habe ich es mir selbstverständlich nicht nehmen lassen, selbiges zu besichtigen, nachdem ich die Affen besucht (und meinen Handschuh verloren) hatte.
Voilà, Tenryū-ji, der Tempel des Himmelsdrachens, Haupttempel einer der beiden wichtigsten Schulen des japanischen Zen-Buddhismus.
Gegründet wurde Tenryū-ji 1339, aber da der Tempel seitdem mehrmals abgebrannt ist, stammen die meisten Gebäude aus der Meiji-Ära (1868-1912). Der zum Tempel gehörende Landschaftsgarten jedoch ist im wesentlichen so, wie er damals vom Gründungsabt angelegt wurde und zählt zu den ältesten Gärten in Japan. Wenn ich das Infoblättchen aus dem Tempel richtig interpretiere, dann ist wohl auch eher der Garten als der Tempel in die Weltkulturerbeliste aufgenommen worden. 1994 übrigens, so wie auch der Kinkaku-ji. Das muß das japanische Jahr der UNESCO gewesen sein.

Das schöne an den japanischen Gärten ist übrigens meiner Ansicht nach, daß ihre Besichtigung auch mitten im Winter noch lohnenswert ist. Irgendwas blüht immer, einige Sträucher lassen sich darin auch nicht von etwas Schnee irritieren, viele Bäume und Büsche sind immergrün. Das einzige, was mich gestört hat, waren die abfrierenden Finger infolge des verlorenen Handschuhs. Weswegen ich mich auch etwas gesputet habe, durch den Garten zu laufen.
Es gab aber noch einen anderen Grund: es war kurz nach drei Uhr, so langsam wurde es dämmerig, und ich wollte noch durch den Bambuswald gehen, der sich hinter dem Tempelgarten befindet.

Wer ist schon mal durch einen Bambuswald gegangen?

Es ist unglaublich schön!! Es ist zwar ein Nutzwald, wenn ich das richtig mitbekommen habe, durch den eine kleine asphaltierte Straße führt, aber Bambuswäldchen bleibt Bambuswäldchen.

Und mittendrin klingelte plötzlich mein Handy, das ich ausnahmsweise mal angelassen hatte...
Nun ist das mit meinem Handy so eine Sache: in der Regel steckt es in der kleinen Handytasche in meiner Handtasche, für die es eigentlich etwas zu groß ist, und bis ich erstens realisiert habe, daß das mein Handy ist, das da klingelt, zweitens die Handtasche geöffnet und drittens das Handy aus der viel zu kleinen Handytasche herausgefummelt und aufgeklappt habe, hat der Anrufer längst aufgegeben. So auch in diesem Fall (diesmal dauerte es sogar noch länger als gewöhnlich, weil meine Finger inzwischen wirklich abgefroren waren). Und wer hatte angerufen? LS. Vermutlich auf der verzweifelten Suche nach jemandem, der Überstunden machen kann/will.
Schade, daß ich nicht antworten konnte: "I'm so sorry, but at the moment I'm in the midst of the nice bamboo forest in Arashiyama - it's impossible for me to make it for the next lesson!"

Aber immerhin hatte die Schneemenge in der Stadt selbst den Angestellten eines der zahlreichen Andenkenläden ausgereicht, um vor dem Eingang jeweils links und rechts ein Spalier aus je drei Schneemännchen aufzustellen. "Schneemann" heißt auf Japanisch übrigens "yukidaruma". Ich zeige hier nur die linke Seite, denkt Euch die anderen drei einfach dazu, die sahen sehr ähnlich aus.
Zugegeben, ich hatte auch den Verdacht, daß es sich hier eher um Schneeaffen oder -hasen als -männer handelt. Alternativvorschläge der Leserschaft werden gerne entgegengenommen.Daß es auch in Arashiyama ein Weltkulturerbe gibt, hatte ich ja schon erwähnt, und da habe ich es mir selbstverständlich nicht nehmen lassen, selbiges zu besichtigen, nachdem ich die Affen besucht (und meinen Handschuh verloren) hatte.
Voilà, Tenryū-ji, der Tempel des Himmelsdrachens, Haupttempel einer der beiden wichtigsten Schulen des japanischen Zen-Buddhismus.
Gegründet wurde Tenryū-ji 1339, aber da der Tempel seitdem mehrmals abgebrannt ist, stammen die meisten Gebäude aus der Meiji-Ära (1868-1912). Der zum Tempel gehörende Landschaftsgarten jedoch ist im wesentlichen so, wie er damals vom Gründungsabt angelegt wurde und zählt zu den ältesten Gärten in Japan. Wenn ich das Infoblättchen aus dem Tempel richtig interpretiere, dann ist wohl auch eher der Garten als der Tempel in die Weltkulturerbeliste aufgenommen worden. 1994 übrigens, so wie auch der Kinkaku-ji. Das muß das japanische Jahr der UNESCO gewesen sein.
Das schöne an den japanischen Gärten ist übrigens meiner Ansicht nach, daß ihre Besichtigung auch mitten im Winter noch lohnenswert ist. Irgendwas blüht immer, einige Sträucher lassen sich darin auch nicht von etwas Schnee irritieren, viele Bäume und Büsche sind immergrün. Das einzige, was mich gestört hat, waren die abfrierenden Finger infolge des verlorenen Handschuhs. Weswegen ich mich auch etwas gesputet habe, durch den Garten zu laufen.
Es gab aber noch einen anderen Grund: es war kurz nach drei Uhr, so langsam wurde es dämmerig, und ich wollte noch durch den Bambuswald gehen, der sich hinter dem Tempelgarten befindet.

Wer ist schon mal durch einen Bambuswald gegangen?

Es ist unglaublich schön!! Es ist zwar ein Nutzwald, wenn ich das richtig mitbekommen habe, durch den eine kleine asphaltierte Straße führt, aber Bambuswäldchen bleibt Bambuswäldchen.

Und mittendrin klingelte plötzlich mein Handy, das ich ausnahmsweise mal angelassen hatte...
Nun ist das mit meinem Handy so eine Sache: in der Regel steckt es in der kleinen Handytasche in meiner Handtasche, für die es eigentlich etwas zu groß ist, und bis ich erstens realisiert habe, daß das mein Handy ist, das da klingelt, zweitens die Handtasche geöffnet und drittens das Handy aus der viel zu kleinen Handytasche herausgefummelt und aufgeklappt habe, hat der Anrufer längst aufgegeben. So auch in diesem Fall (diesmal dauerte es sogar noch länger als gewöhnlich, weil meine Finger inzwischen wirklich abgefroren waren). Und wer hatte angerufen? LS. Vermutlich auf der verzweifelten Suche nach jemandem, der Überstunden machen kann/will.
Schade, daß ich nicht antworten konnte: "I'm so sorry, but at the moment I'm in the midst of the nice bamboo forest in Arashiyama - it's impossible for me to make it for the next lesson!"
Montag, Januar 23, 2006
Ich glaub, mich laust der Affe!
Das ist offensichtlich meine Woche der Tierfotos. Dienstag jede Menge Fische, Montag jede Menge Affen.Also, ich bin heute nach Arashiyama gefahren, einem westlichen Vorort von Kyōto. Dort gibt es auch jede Menge Tempel, ein Weltkulturerbe ist auch darunter (warum überrascht mich das nicht?), und es gibt den Iwata-yama. "Yama" (山) heißt Berg (außer dem Fuji, der wird ehrfurchtsvoll "san" genannt), und auf dem Berg Iwata-yama (sind 155 m wirklich schon ein Berg?) gibt es den "Arashiyama Monkey Park Iwatayama", in dem über 150 Affen leben. Diese dürfen gegen ein kleines Entgelt besichtigt werden.
Als ich den Berg hinaufgekeucht kam, waren die meisten Affen gerade ausgiebigst mit Sozialverhalten beschäftigt:

Offen gesagt, fand ich es ja schon etwas unheimlich, auf einem schmalen, leicht glitschigen (man sieht das hier nicht, aber an vielen Stellen lag Schnee, und an den anderen war er weggetaut), ungesicherten (rechts geht's direkt runter) Pfad an diesen Affen vorbeizugehen. Aber wenn man die grundlegendsten Vorsichtsregeln beachtet (nicht füttern, nicht streicheln, nicht in die Augen starren), geht es erstaunlich gut. Außerdem dürften sich die Affen längst an die vielen Besucher der Gattung Homo sapiens gewöhnt haben.

Wie sieht ein Affe aus, der sich langweilt? So wie ein Mensch, der sich langweilt.
Oben an der observation platform angekommen, stellte ich zu meiner Freude fest, daß mein Timing nicht besser hätte sein können:
Jungs, es gibt was zu Futtern!
Was passiert, wenn ich mit der Hand ins Wasser schlage? Es spritzt!
Die observation platform ist übrigens nicht nur ein schöner Ort, um den Affen in Ruhe beim Fressen, Spielen und Streiten zuzusehen, man hat auch einen ausgezeichneten Blick auf Arashiyama und Kyōto.
Was gibt es sonst noch zu berichten? Auf dem Weg nach oben habe ich einen meiner schönen, hellblauen Handschuhe verloren und konnte ihn auf dem Rückweg nicht wiederfinden. Da spielen jetzt garantiert die Affen mit. *grummel*
Dienstag, Januar 17, 2006
Kaiyukan
Für dieses Wochendende habe ich mir ein besonderes Ziel ausgesucht: Kaiyukan, das berühmte Ōsaka Aquarium, gelegen an der Ōsaka Bay. Pam war vor einigen Wochen schon dort und war ganz begeistert, mein Reiseführer empfiehlt den Besuch auch, höchste Zeit also, sich das mal selbst anzusehen. Mit 2.000 Yen Eintrittspreis kein ganz billiges Vergnügen (für dasselbe Geld kann ich auch einmal nach Kyoto hin- und zurück und dort ein bis zwei Tempel besichtigen), aber es lohnt sich wirklich. In dem Aquarium kann man Fische und sonstige Süß- und Salzwasserbewohner aus der gesamten Pazifikregion besichtigen.
Die Schau begann schon vor dem Eingang, wo die Kaiyukan-Leitung beschlossen hatte, einigen der Pinguine jetzt im Winter mal etwas Frischluft zu gönnen. Sehr zur Freude der Passanten und besonders eines kleinen Jungen, der sich vor lauter Freude kaum mehr einkriegte. Die Pinguine sehen aber auch schön aus...

Im Aquarium ging es dann gleich spektakulär los: Ticket gekauft, am Einlaß vorbei, links um die Ecke gebogen, und plötzlich befindet man sich im Aqua Gate, einem (im Vergleich zu den anderen Aquarien im Kaiyukan) kleinen Aquarium, das sich tunnelartig über den Gang neigt, so daß alle Besucher unter den Fischen hindurch gehen müssen. In dem Aquarium tummeln sich subtropische und tropische Fische, u.a. auch ein paar kleine Rochen. Eindrucksvoll, wenn sie gleichsam schwebend über einen hinwegschwimmen.

Danach ging es eine lange schmale Rolltreppe hinauf in den 8. Stock des Gebäudes, wo es dann entlang der einzelnen Becken langsam wieder hinunterging. Das hat jetzt garantiert keiner verstanden, daher zitiere ich doch noch einmal meinen Reiseführer:
Ganz oben begann alles mit den japanischen Wäldern, die u.a. auch einige schwer zu fotografierende Otter beherbergen. Als nächstes war der Lebensraum der Alëuten an der Reihe, mit Seeottern und diversen Fischen, deren Namen ich mir beim besten Willen nicht merken konnte. Außer diesen hier: Rainbow trout und Jacopever (aus dem englischsprachigen Faltblatt abgeschrieben ;-D). Sowohl die Otter als auch die Seeotter haben mir ausnehmend gut gefallen, wie sie ober- und unterhalb des Wassers herumgetobt sind, aber das bedeutet eben auch: keine brauchbaren Fotos für meinen Blog.
In Becken 3 gab es Kalifornische Seelöwen und Harbor Seals aus der Monterey Bay (an der Westküste der USA vor San Francisco gelegen), dann ging es weiter entlang des Golfs von Panama und des Regenwalds von Ecuador (wie gesagt, Süßwasserfische werden im Kaiyukan auch gezeigt), an der Antarktis, wo noch mehr Pinguine im ewigen Kunsteis gezeigt wurden,vorbei zu Becken Nr. 7, in dem Lebewesen aus dem Tasmanischen Meer gezeigt werden: Pazifische Weißseiten Delphine (hoffentlich habe ich den Namen halbwegs richtig übersetzt). Einen von ihnen könnt ihr hier bewundern.
Und wer ganz genau hinsieht, der kann auch mein Spiegelbild auf dem Foto erkennen...
Sogar Nemo und seinen Vater habe ich gesehen. Ich bin mir nur nicht mehr sicher, ob das in dem Becken Nr. 8 ("Great Barrier Reef") war oder in einem kleinen separaten Becken. Ich glaube, letzteres, aber ich bin mir, wie gesagt, nicht hundertprozentig sicher.

Vergleichsweise klein ist Becken Nr. 10, das einige Fische aus der Seto-Inlandsee zeigt, welche die Insel Honshū von Shikoku trennt, der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln. Und wie man sieht, wimmelt es in diesem Gewässer nur so von dem japanischen Nationalgericht: Fisch.

Der absolute Höhepunkt ist allerdings das riesige Becken Nr. 9, das sich in der Mitte des Gebäudes befindet, sich über drei Stockwerke erstreckt und dem Pazifik gewidmet ist. Die unterschiedlichsten Fische schwimmen darin herum, einige in großen Schwärmen, andere ziehen als Einzelgänger ihre Runden, so wie beispielsweise der große Walhai (unten im Bild in der linken oberen Hälfte, der dunkle große Fisch mit den hellen Punkten). Der sieht jetzt relativ klein aus, in Wirklichkeit ist er fast fünfeinhalb Meter lang.

Mantarochen gibt es auch - plötzlich schwamm einer direkt auf mich zu, bis ganz dicht an die Scheibe, und bog dann einfach nach oben ab. Und ich kann mit Stolz sagen, daß ich nicht zurückgezuckt bin! Das ist ein harmloser Mantarochen, und kein furchterregendes Tier mit viel zu vielen haarigen Beinen!

Und hier gibt es auch den Walhai noch einmal in voller Lebensgröße. Leider etwas unscharf, aber dennoch ist ganz deutlich zu erkennen, daß er doch nicht als totaler Einsiedler sein Leben fristet, sondern in Begleitung durch das Becken schwimmt. Wie nennt der Biologe das doch gleich? Symbiose? ("Ich fresse die Parasiten, die dich fressen wollen, und du frißt/vertreibst dafür die Parasiten, die mich fressen wollen.")

Weiter ging es zu einem kleineren Becken, Nr. 11, "Kelp Forest". Hat irgendwer eine Idee, was "kelp" heißt? Ich habe es im Wörterbuch nicht finden können.

Dieser Fisch jedenfalls ist von enormen Ausmaßen, heißt "Sunfish" (ich hätte jetzt ja eher auf "Mondfisch" getippt, weil ich weiß, daß es einen Fisch dieses Namens gibt, und weil der hier auch genauso doof dreinschaut wie ein Mondkalb, aber vielleicht irre ich mich ja mal wieder, und Mondfische sind ein paar Nummern kleiner), und - ja, ist halt einfach nur groß, hat einen extrem dummen Gesichtsausdruck und schwimmt ständig im Kreis (das Becken hätte man aber auch wirklich etwas größer machen sollen).
In der Cookstraße zwischen der Nord- und Südinsel von Neuseeland wimmelt es von riesigen Schildkröten und vielen hübschen, bunten Fischen.
Was diese Schildkröte wohl dachte, als sie ganz dicht an die Scheibe herankam? Ich tippe auf: "Beam me up, Scotty!"
Das letzte Becken trägt den Titel "Japan Deeps" und beherbergt "Giant spider crabs". Lauter gute Gründe, nicht im Pazifik zu baden, egal, wie tief im Meer sie leben. Wer hat alles den "Schwarm" gelesen?

Das war schon das letzte der Themenbecken, eine kurze Rolltreppe führte mich wieder auf Anfangsniveau zurück. Aber bevor es zum Ausgang ging, kam ich erst noch an einigen kleinen Becken mit Quallen (auf Englisch heißen die übrigens "jelly fish") in allen möglichen Farben vorbei. Unglaublich schön.
Die Schau begann schon vor dem Eingang, wo die Kaiyukan-Leitung beschlossen hatte, einigen der Pinguine jetzt im Winter mal etwas Frischluft zu gönnen. Sehr zur Freude der Passanten und besonders eines kleinen Jungen, der sich vor lauter Freude kaum mehr einkriegte. Die Pinguine sehen aber auch schön aus...

Im Aquarium ging es dann gleich spektakulär los: Ticket gekauft, am Einlaß vorbei, links um die Ecke gebogen, und plötzlich befindet man sich im Aqua Gate, einem (im Vergleich zu den anderen Aquarien im Kaiyukan) kleinen Aquarium, das sich tunnelartig über den Gang neigt, so daß alle Besucher unter den Fischen hindurch gehen müssen. In dem Aquarium tummeln sich subtropische und tropische Fische, u.a. auch ein paar kleine Rochen. Eindrucksvoll, wenn sie gleichsam schwebend über einen hinwegschwimmen.

Danach ging es eine lange schmale Rolltreppe hinauf in den 8. Stock des Gebäudes, wo es dann entlang der einzelnen Becken langsam wieder hinunterging. Das hat jetzt garantiert keiner verstanden, daher zitiere ich doch noch einmal meinen Reiseführer:
The aquarium is contructed so that you wind your way down around fourteen elongated tanks, each representing a different aquatic environment, from Antarctica to the Aleutian Islands. The beauty of the design means you can, for example, watch seals basking on the rocks at the top of the tank and see them swimming,torpedo-like, through the lower depths later.
(The Rough Guide to Japan, S. 504)
Ganz oben begann alles mit den japanischen Wäldern, die u.a. auch einige schwer zu fotografierende Otter beherbergen. Als nächstes war der Lebensraum der Alëuten an der Reihe, mit Seeottern und diversen Fischen, deren Namen ich mir beim besten Willen nicht merken konnte. Außer diesen hier: Rainbow trout und Jacopever (aus dem englischsprachigen Faltblatt abgeschrieben ;-D). Sowohl die Otter als auch die Seeotter haben mir ausnehmend gut gefallen, wie sie ober- und unterhalb des Wassers herumgetobt sind, aber das bedeutet eben auch: keine brauchbaren Fotos für meinen Blog.
In Becken 3 gab es Kalifornische Seelöwen und Harbor Seals aus der Monterey Bay (an der Westküste der USA vor San Francisco gelegen), dann ging es weiter entlang des Golfs von Panama und des Regenwalds von Ecuador (wie gesagt, Süßwasserfische werden im Kaiyukan auch gezeigt), an der Antarktis, wo noch mehr Pinguine im ewigen Kunsteis gezeigt wurden,vorbei zu Becken Nr. 7, in dem Lebewesen aus dem Tasmanischen Meer gezeigt werden: Pazifische Weißseiten Delphine (hoffentlich habe ich den Namen halbwegs richtig übersetzt). Einen von ihnen könnt ihr hier bewundern.
Und wer ganz genau hinsieht, der kann auch mein Spiegelbild auf dem Foto erkennen...Sogar Nemo und seinen Vater habe ich gesehen. Ich bin mir nur nicht mehr sicher, ob das in dem Becken Nr. 8 ("Great Barrier Reef") war oder in einem kleinen separaten Becken. Ich glaube, letzteres, aber ich bin mir, wie gesagt, nicht hundertprozentig sicher.

Vergleichsweise klein ist Becken Nr. 10, das einige Fische aus der Seto-Inlandsee zeigt, welche die Insel Honshū von Shikoku trennt, der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln. Und wie man sieht, wimmelt es in diesem Gewässer nur so von dem japanischen Nationalgericht: Fisch.

Der absolute Höhepunkt ist allerdings das riesige Becken Nr. 9, das sich in der Mitte des Gebäudes befindet, sich über drei Stockwerke erstreckt und dem Pazifik gewidmet ist. Die unterschiedlichsten Fische schwimmen darin herum, einige in großen Schwärmen, andere ziehen als Einzelgänger ihre Runden, so wie beispielsweise der große Walhai (unten im Bild in der linken oberen Hälfte, der dunkle große Fisch mit den hellen Punkten). Der sieht jetzt relativ klein aus, in Wirklichkeit ist er fast fünfeinhalb Meter lang.

Mantarochen gibt es auch - plötzlich schwamm einer direkt auf mich zu, bis ganz dicht an die Scheibe, und bog dann einfach nach oben ab. Und ich kann mit Stolz sagen, daß ich nicht zurückgezuckt bin! Das ist ein harmloser Mantarochen, und kein furchterregendes Tier mit viel zu vielen haarigen Beinen!

Und hier gibt es auch den Walhai noch einmal in voller Lebensgröße. Leider etwas unscharf, aber dennoch ist ganz deutlich zu erkennen, daß er doch nicht als totaler Einsiedler sein Leben fristet, sondern in Begleitung durch das Becken schwimmt. Wie nennt der Biologe das doch gleich? Symbiose? ("Ich fresse die Parasiten, die dich fressen wollen, und du frißt/vertreibst dafür die Parasiten, die mich fressen wollen.")

Weiter ging es zu einem kleineren Becken, Nr. 11, "Kelp Forest". Hat irgendwer eine Idee, was "kelp" heißt? Ich habe es im Wörterbuch nicht finden können.

Dieser Fisch jedenfalls ist von enormen Ausmaßen, heißt "Sunfish" (ich hätte jetzt ja eher auf "Mondfisch" getippt, weil ich weiß, daß es einen Fisch dieses Namens gibt, und weil der hier auch genauso doof dreinschaut wie ein Mondkalb, aber vielleicht irre ich mich ja mal wieder, und Mondfische sind ein paar Nummern kleiner), und - ja, ist halt einfach nur groß, hat einen extrem dummen Gesichtsausdruck und schwimmt ständig im Kreis (das Becken hätte man aber auch wirklich etwas größer machen sollen).
In der Cookstraße zwischen der Nord- und Südinsel von Neuseeland wimmelt es von riesigen Schildkröten und vielen hübschen, bunten Fischen.
Was diese Schildkröte wohl dachte, als sie ganz dicht an die Scheibe herankam? Ich tippe auf: "Beam me up, Scotty!"Das letzte Becken trägt den Titel "Japan Deeps" und beherbergt "Giant spider crabs". Lauter gute Gründe, nicht im Pazifik zu baden, egal, wie tief im Meer sie leben. Wer hat alles den "Schwarm" gelesen?

Das war schon das letzte der Themenbecken, eine kurze Rolltreppe führte mich wieder auf Anfangsniveau zurück. Aber bevor es zum Ausgang ging, kam ich erst noch an einigen kleinen Becken mit Quallen (auf Englisch heißen die übrigens "jelly fish") in allen möglichen Farben vorbei. Unglaublich schön.
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